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Cox: TV-Star und Europäer

Von Alexander Ratz, AP

Europaarchiv

Dass der Mann einst beim Fernsehen war, merkt man ihm noch heute an. Routiniert und spontan antwortet der gewandte Redner auf Fragen jeglicher Art und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Kein Wunder also, dass der irische Europa-Politiker Pat Cox als Kandidat für das Amt des neuen EU-Kommissionspräsidenten gilt. Zunächst aber wird der scheidende Präsident des Europäischen Parlaments an diesem Donnerstag wegen seiner Verdienste für Europa mit dem renommierten Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.


Bei seinem Abschied aus dem Straßburger Parlament vor zwei Wochen ließ Cox keinen Zweifel daran, dass er seine europapolitische Karriere noch nicht am Ende sieht. "Europa ist der Grund meines politischen Lebens gewesen, und ich werde diesem Grund weiter dienen, auf welche Art auch immer", sagte der 51-jährige. Ob er aber tatsächlich Nachfolger des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi wird, hängt von den Staats- und Regierungschefs ab, die über die Personalie im Juni entscheiden wollen.

Der Posten wäre die Krönung einer steil nach oben verlaufenden Karriere. Cox wurde am 28. November 1952 als Sohn eines Uhrmachers in Dublin geboren; in Limerick im Westen der Insel wuchs er auf. Zum Studium zog es ihn zurück in die Hauptstadt, wo er Wirtschaftswissenschaften studierte und 1976 mit einem Magister abschloss. Für einige Jahre war Cox dann Lehrbeauftragter an der Universität Limerick, bevor er 1982 zum Fernsehen ging.

Als Moderator tagespolitischer Sendungen wurde Cox in Irland schnell bekannt. 1985 schloss sich der TV-Star der neu gegründeten liberalen Partei Progressive Demokraten an, deren Generalsekretär Cox wurde. 1989 zog Cox auf einem Ticket der Partei erstmals in das Europäische Parlament ein, wo der emsige Ire seine Karriere ebenso zielgerichtet verfolgte. Selbst als sich Cox von seiner Partei im Streit trennte, bedeutete dies für ihn keinen Rückschlag. Auch als unabhängiger Kandidat wurde Cox wiedergewählt und übernahm 1998 den Fraktionsvorsitz der europäischen Liberalen.

Eifriger Arbeiter

Vier Jahre später wurde er zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. Von Anfang an verstand sich Cox in diesem Amt als politischer Akteur und keineswegs nur als Repräsentant wie viele seine Vorgänger. Manchmal übertrieb es Cox mit seiner Emsigkeit allerdings. Für Stirnrunzeln in Brüssel sorgte seine Intervention im Wettbewerbsfall um den irischen Billigflieger Ryanair. Unverblümt forderte Cox die EU-Kommission auf, von regionalen Flughäfen gewährte Gebührennachlässe für die Gesellschaft zu billigen.

Bei seinem Abtritt als Präsident erfuhr Cox aber auch Lob von Kontrahenten. Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Hans-Gert Pöttering, verabschiedete ihn mit den Worten: "Sie werden immer als einer der großen Präsidenten des Europäischen Parlaments in Erinnerung bleiben." Seine Aufgabe nahm Cox bis zuletzt sehr ernst. Auf der Erweiterungsfeier am 1. Mai in Dublin nach seinen weiteren Ambitionen gefragt, antwortete er schlagfertig: "Ich bin nicht hier, um eine Arbeit zu bekommen, sondern um meine Arbeit zu machen."