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Cruz versaut die Einheitsparty

Von Klaus Stimeder aus Cleveland

Politik

Der Senator von Texas weigert sich, Donald Trump zur Wahl zu
empfehlen und verlässt die Bühne unter Buhrufen.


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Cleveland. War es wirklich eine Überraschung? Am dritten Tag des Parteitags der Republikaner in Cleveland, Ohio, ereignete sich insofern bemerkenswertes, als etwas nicht passierte: Ted Cruz, der Senator aus Texas, der sich bei den Vorwahlen lange ein hartes Match mit Donald Trump geliefert hatte, weigerte sich, explizit zur Wahl des New Yorker Immobilienmagnaten aufzurufen. In seiner rund 15 Minuten dauernden Rede beschränkte sich Cruz darauf, den versammelten Parteifreunden zu empfehlen, im Herbst "nach ihrem Gewissen zu wählen und zwar jene Kandidaten, denen man zutraut, dass sie die Freiheit verteidigen und der Verfassung die Treue halten."

Den Namen Trump nahm er nur einziges Mal in den Mund: gleich zu Beginn, als er ihm zu seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten gratulierte. Was dazu führte, dass – als klar war, dass es mit dem "Endorsement" nicht werden würde – zuerst die New Yorker Parteitagsdelegation ausflippte und dann die Mehrheit des Publikums in der Quicken Loans Arena.

Die Buhrufe gegen Cruz gerieten so laut, dass seine Schlussworte fast darin untergingen. Wie diese Reaktion verriet, hatten die meisten Delegierten bis zuletzt daran geglaubt, dass sich Cruz – genauso wie fast alle anderen, die bei den Vorwahlen unter die Räder gekommen waren – am Ende hinter Trump stellen würde. Vorgemacht hatten es an diesem Abend bereits zwei ehemalige Hoffnungsträger der Partei: Scott Walker, der Gouverneur von Wisconsin, sowie Marco Rubio, der Senator von Florida.

Während Walker in Cleveland unter dem Motto "America verdient etwas besseres als Hillary" eine etwas gar zu einstudiert daher kommende, aber nichtsdestoweniger effektive Rede hielt, hatte Rubio lediglich ein kurzes Video nach Ohio geschickt. Wahrlich kein Liebesbekenntnis – aber immerhin rief er darin unzweideutig zur Wahl Donald Trumps auf. Cruz tat dem ehemaligen Reality-TV-Star ( "The Apprentice") diesen Gefallen nicht. Wie Trump kurz vor Mitternacht per Twitter bekannte, hatte er indes schon vorher gewusst, was Cruz sagen würde ("No big deal!") – und ihn trotzdem gewähren lassen. Wie rund eineinhalb Stunden später bestätigt wurde, hatten Trump und sein Wahlkampfteam vorgesorgt: Ein Trump-Mitarbeiter hatte der New Yorker Delegation das Zeichen gegeben, wann genau sie mit dem lauten Buhen anfangen sollen. Im gleichen Moment tauchte Trump auf den oberen Zuschauerrängen auf, was für Spannung und eine zusätzliche Anhebung des Lärmpegels sorgte.

Die Choreografie ging auf. Die Stimmung im Saal wendete sich deutlich und mehrheitlich gegen Cruz (und gegen seine Frau Heidi, die unter den Beschimpfungen von angefressenen Trumpisten von der Haus-Security von der Bühne weg eskortiert werden musste). Wie lange der Zorn gegen Cruz, der sich einmal mehr nicht dem Einheitsdrang der Parteiführung gebeugt hatte – der Mann ist im Kongress nicht umsonst für seine Einzelkämpfer-Mentalität berüchtigt –, anhalten wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Ebenso wenig, wie klar ist, wie viel Stimmen Cruz' Stunt Trump im Herbst kosten wird.

Was sonst noch passierte: Eric Trump, der aus der Ehe mit Ivana Trump stammende 32-jährige Sohn von Donald, durfte wie am Tag zuvor sein älterer Bruder Donald Junior und seine Halbschwester Tiffany ein Hohelied auf seinen Vater anstimmen, und Mike Pence akzeptierte die Nominierung zum Vizepräsidentschaftskandidaten. Der amerikanischen Öffentlichkeit stellte sich der Gouverneur von Indiana, bisher auf der nationalen Bühne ein nahezu unbeschriebenes Blatt, als "zuerst Christ, dann Konservativer und dann Republikaner" vor. Der 57-Jährige, ein gelernter Anwalt, der auf eine
Vergangenheit als Abgeordneter im Repräsentantenhaus und Talk Radio-Moderator zurückblickt, machte seine Sache ordentlich.

Gleich zu Beginn seiner Rede gab er sich selbstironisch, sprach davon, vor allemdeshalb für den Posten ausgewählt worden zu sein, um die eher kontroversen Botschaften des Spitzenkandidaten "auszubalancieren". Das stimmt zwar ganz und gar; aber der Umstand, dass Pence zugab, sich dessen bewusst zu sein, gab seiner Präsentation jene Art von Leichtigkeit, mit der sich vor allem

Sein neuer Boss ist konservative Politiker traditionell eher schwer tun. mit seiner Rede heute Abend dran. Freilich nur, wenn die für die Bühnentechnik in der Quicken Loans Arena verantwortlichen Kräfte nicht wieder auslassen. Während der Rede von Eric Trump begann die Videoleinwand zu flackern, als die von Cruz zu Ende war, gingen da und dort sogar buchstäblich die Lichter aus. Eine gute Optik schaut anders aus.