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"Da ist Pioniergeist gefragt"

Von Cathren Landsgesell

Wirtschaft

Diversity-Kongress in Wien am 25. und 26. April mit Fokus Recruiting.


Wien. Sie suchen den Kontakt zum Chef nicht, stellen ihr Licht unter den Scheffel, gehen nach der Arbeit gleich nach Hause statt mit den Kollegen zu trinken und im Streitfall ist ihnen die Familie wichtiger: In einer von Männern geprägten Unternehmenskultur können Frauen sehr viel falsch machen, was ihre Karriere betrifft. Doch wer muss was ändern? Die Frauen oder die Unternehmen? Wer Frauen als Teamleiternnen, Geschäftsführerinnen und Vorstände will, muss an seiner Unternehmenskultur arbeiten, sagt die Unternehmensberaterin Melanie Vogel.

Sie hat vor drei Jahren den Messekongress "Woman and Work" ins Leben gerufen und wird beim diesjährigen Edic-Kongress in Wien (siehe Infokasten) eine der Key Notes halten. Der internationale Kongress widmet sich heuer schwerpunktmäßig dem Thema Recruiting und Inklusion. Das Genderthema ist eines von vielen Diversitätsthemen des Kongresses.

Mehr Diversity, mehr Profit

Der Frauenanteil in der Geschäftsführung der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs liegt laut einer Studie der AK Wien vom März 2013 bei 5,6 Prozent. In den Aufsichtsräten sieht es etwas besser aus: Hier sind 13,5 Prozent weiblich. Nirgendwo in Europa sind weibliche Karrieren selbstverständlich. Mit einem 46-prozentigen Frauenanteil in den Führungsetagen ist Norwegen der Spitzenplatz sicher.

Dabei ist bereits erwiesen, dass Unternehmen von mehr Diversität profitieren. Sind Frauen und Menschen verschiedener Nationalität im Vorstand, lukrieren Unternehmen 53 Prozent mehr Eigenkapitalrendite und 14 Prozent mehr Gewinn vor Steuern, so eine Studie der amerikanischen Unternehmensberatung McKinsey. "Diversity wirkt sich direkt auf die Innovationskraft eines Unternehmens aus", sagt auch Melanie Vogel. Je mehr Frauen in Managementpositionen sind, desto innovativer sind die Unternehmen.

Behindernde Klischees

Es sind vor allem alte Rollenbilder und bestimmte Managementklischees, die Frauen in ihren Karrieren behindern. "Wenn die vorherherrschende Haltung in einem Unternehmen die ist, dass wirklich engagierte Führungskräfte sieben Tage in der Woche 24 Stunden täglich arbeiten und von einem Moment auf den anderen Dienstreisen machen, werden die meisten Frauen diesem Unternehmen den Rücken kehren", heißt es in der McKinsey-Studie. Frauen entscheiden sich eher für die Familie und gegen den Job - wenn sie durch den Partner oder das Unternehmen zu der Entscheidung gezwungen werden, berichtet Vogel. Alte Rollenbilder - die Frau daheim am Herd, der Mann im Berufsleben - gewinnen auch in aufgeschlossenen Partnerschaften an Boden, sobald Kinder da sind. Anders als in den skandinavischen Ländern haben Frauen in Deutschland oder Österreich weniger Möglichkeiten, die ihnen zugewiesene Kinderbetreuung auszulagern. Melanie Vogel empfiehlt den Frauen, der eigenen Karriereplanung, der Partnerschaft und der Wahl des Arbeitgebers besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Karriere planen

Während Männer - bei bestehender gesellschaftlicher Arbeitsteilung - in der Regel eine lineare Karriere verfolgen können, brauchen Frauen Karrierewege, die verschiedenen Lebensphasen angepasst werden können. Unternehmen und die Frauen selbst sollten Kinderbetreuung oder Pflegezeiten mitbedenken. Jedoch haben Frauen "in der Regel keine Karrierestrategie", erklärt Unternehmensberaterin Vogel. Frauen sollten sich ganz konkret überlegen, welche Karriere sie verfolgen möchten und wie sie zum Beispiel den Wiedereinstieg nach einer Schwangerschaft gestalten wollen. In ihrer Partnerschaft sollten Frauen offen über ihre Karrierewünsche und -ziele sprechen. Da andere Rollenbilder fehlen, sei es leicht, in alte Muster zurückzufallen, wenn Kinder da sind.

Auch ihren Arbeitgeber sollten Frauen unter die Lupe nehmen: Werden Frauen aktiv gefördert oder handelt es sich um Lippenbekenntnisse? Wird der Wiedereinstieg leicht gemacht? Welche konkreten Maßnahmen gibt es bereits, die es ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren? Vogel: "Frauen können ihrem Arbeitgeber auch konkrete Vorschläge machen, wie es gehen kann. Da ist Pioniergeist gefragt - von beiden Seiten."

Edic 2013

Der internationale European Diversity, Business and Inclusion Congress findet vom 25.-26. April in Wien statt. Mehr Infos: www.diversityleadership.eu