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Daimler kehrt Iran den Rücken

Von WZ-Korrespondent Arian Faal

Wirtschaft

Druck der USA zeigt Wirkung. | Teheran. Der Atomstreit um Irans Urananreicherung zieht wirtschaftlich weite Kreise, die auch Irans Autoindustrie zu spüren bekommt. Seit 2007 drohen die USA europäischen Konzernen mit Sanktionen, falls sie mit dem Iran Geschäfte machen.


Nach der Warnung aus Washington hat sich der deutsche Autoriese Daimler nun entschlossen, sein Engagement im Iran auf ein Minimum zurückzufahren. Die Stuttgarter trennen sich von ihrer Beteiligung an der Tochter des Autobauers Iranian Khodro. Zudem werden keine zivilen Trucks mehr an die Islamische Republik geliefert. Ein Komplett-Rückzug ist aber nicht geplant. Bestehende vertragliche Verpflichtungen würden erfüllt. "Die Politik der derzeitigen iranischen Führung gebietet es, unsere Geschäfte mit dem Iran auf eine neue Grundlage zu stellen", sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

Politisch sensiblerZeitpunkt

Die Ankündigung Daimlers kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. So hatte sich US-Präsident Barack Obama zum Abschluss des Atomgipfeltreffens in Washington vor einem Monat für rasche wirtschaftliche UN-Sanktionen gegen den Iran ausgesprochen. Daimler ist der erste deutsche Autobauer, der sein Iran-Geschäft zurückfährt. Andere Großkonzerne wie Siemens und Münchner Rück haben jedoch bereits den Rückzug angetreten.

Deutschland wichtigster Handelspartner

Ganz ausblenden will sich die deutsche Wirtschaft dennoch nicht aus dem Iran. Während 2009 die deutschen Exporte im Schnitt um 18,4 Prozent sanken, lag der Wert für das Geschäft mit dem Iran nur vergleichsweise geringe 5,3 Prozent niedriger. 2009 lieferte Deutschland Güter mit einem Volumen von mehr als 3,3 Milliarden Euro in den Iran. Dabei handelte es sich vor allem um Waren aus den Bereichen Maschinenbau, Kfz, Chemie, Gas und Öl. Deutschland blieb somit der wichtigste europäische Handelspartner des Iran.

Das rief Kritiker, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Plan, auf die Unvereinbarkeit der regen Handelstätigkeit mit den Hasstiraden der iranischen Führung gegen Israel hinzuweisen.

Ihr erhobener Zeigefinger nutzt aber nur bedingt. Der Kfz-Hersteller MAN teilt mit, es gebe "keine Überlegung, etwas im Irangeschäft zu ändern". Auch BASF bleibt im Iran aktiv. Man pflege zum Iran gute und langjährige Geschäftsbeziehungen, hieß es.