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Damen-Duo bringt frischen Schwung an die Wiener Börse

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Hätten Sie gewusst, dass die Wiener Börse auf Betreiben einer Frau gegründet wurde? Kaiserin Maria Theresia nämlich war es, die 1771 ein wichtiges Patent erließ, das den Grundstein für eine der ältesten Wertpapierbörsen der Welt bildete. Seitdem war die Börse jedoch fest in männlichen Händen - bis zum Beginn des dritten Jahrtausends. Dem männlichen Vorstandsduo der Wiener Börse AG (WBAG) steht seit kurzem ein dynamisches weibliches Zweiergespann in den Bereichen Marketing und Pressearbeit hilfreich zur Seite. Mit Ingrid Susan Janusch und Barbara Wösner hat sich ein Generationenwechsel in der Kommunikationsarbeit der Börse vollzogen.


Erst vor wenigen Wochen verbreitete sich die Nachricht, dass sich der langjährige Pressesprecher der Wiener Börse, Johann Schmit (54), in Zukunft den verstärkten Consultingaktivitäten der WBAG im In- und Ausland widmen werde. Ingrid Janusch wurde zu Schmits Nachfolgerin gekürt, für die Tochter eines Grazers und einer Neuseeländerin ein passendes Geschenk ihres Arbeitgebers zum 30. Geburtstag. Zuvor hatte Börse-Vorstand Stefan Zapotocky die gebürtige Innviertlerin Barbara Wösner (27) von der Kommunikationsagentur Ogilvy abgeworben und mit der Leitung der Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Wiener Börse betraut.

Bildung zwischen Österreich und Neuseeland

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" schwärmen beide Frauen von der Arbeit im Team. "Wir haben viele junge, motivierte Mitarbeiter", sagt Janusch. Sie möchte den Schwung, mit dem sie ihre neue Aufgabe angetreten hat, in die Zukunft mitnehmen. Es sei ihr ein wichtiges Anliegen, am Image der Wiener Börse zu arbeiten und die mediale Resonanz zu verbessern. Die Geisteswissenschafterin - sie studierte abwechselnd in Österreich und Neuseeland Germanistik und Kulturwissenschaft und hat einen Universitätslehrgang für Medienkunde mit Praktikum beim ORF absolviert - kam im März 2000 in die PR-Abteilung der Wiener Börse und konnte sich seitdem ein Bild darüber machen, wo es hapert. Jobs in PR-Agenturen (Publico Graz, Das Kommunikationshaus) und in der Öffentlichkeitsarbeit des Institus für Höhere Studien (IHS) haben Janusch zum Vollprofi gemacht. Sie spricht zudem perfekt Englisch, was ihr vor allem bei internationalen Auftritten der Wiener Börse sehr nützlich sein wird.

Während sich Janusch ihre ersten Brötchen als Ferialpraktikantin bei einem Drahtproduzenten in Graz verdiente, half Barbara Wösner fleißig im elterlichen Bäckerei- und Konditoreibetrieb in Schärding mit. Im Laufe des Studiums der Handelswissenschaften in Linz kamen spannendere Nebenjobs dazu, und Wösner investierte zusätzlich viel Zeit in die Ausbildung zur Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung.

"Heiße Kämpfe" mit Lehrmeister Scharinger

In der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) verdingte sie sich als Kundenbetreuerin im Wertpapierbereich für institutionelle Großkunden - nicht wirklich eine große Herausforderung für die energische junge Frau. Das erkannte auch RLB OÖ-Chef Ludwig Scharinger, der seiner Mitarbeiterin eine Stelle im Marketing anbot. Nach nur einem halben Jahr übernahm Wösner die Leitung des gesamten Marketing des Bankkonzerns. Sie habe viel von Scharinger gelernt, sagt sie, und sich wegen ihrer unterschiedlichen Vorstellungen von Werbung auch "heiße Kämpfe" mit ihm geliefert. Der Liebe wegen wurde die Oberösterreicherin schließlich zur Wienerin. Nach einem halben Jahr im Bereich Personal und Kommunikation bei Ogilvy wollte sie wieder "auf die Kundenseite" und fand bei der Wiener Börse das, was sie gesucht hatte. Mit Börse-Vorstand Zapotocky verbindet sie die Begeisterung für Musik, die sie in ihrer knapp bemessenen Freizeit zum Energietanken nutzt. Insbesondere Jazz hat es ihr angetan.

Auch Ingrid Janusch liebt Musik - "Bach genauso wie Björk" - und interessiert sich für "Kunst aller Art", besonders aber für englische und deutsche Literatur, Fotografie, Film, Design und Architektur. Die wichtigste Form der Erholung und privaten Weiterbildung ist für sie allerdings Reisen, wobei sie ihre neuseeländischen Wurzeln oft quer über den ganzen Erdball führen.