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Damit die Lehre nicht in einer Sackgasse endet

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
So sieht der künftige Führungsnachwuchs bei McDonalds aus: Semra (l.) und Shiba lernen neben der Lehre auch noch für die Matura. Foto: WZ/Karoline Fleck

Modell "Lehre und Matura" erfreut sich regen Zustroms. | Nach dem Abschluss bessere Aufstiegschancen. | Hohe Motivation gefordert. | Wien.Semra (21) und Shiba (20) haben vieles gemeinsam. Nachdem die beiden jungen Frauen die Handelsschule abgebrochen hatten, fanden sie bei McDonalds in Linz eine berufliche Heimat, in der sie sich bald sehr wohl fühlten. Hoch motiviert von den Aufstiegschancen beschlossen sie, doch noch die Schulbank zu drücken und eine Lehrausbildung zur Systemgastronomiefachfrau zu absolvieren - und parallel die Matura zu machen.


Lehre und Matura gleichzeitig: Das ist in Österreich seit etwa zwei Jahren möglich. Die Vorbereitungskurse sind gratis. Zuvor konnten Jugendliche erst nach Abschluss der Lehre eine Berufsreifeprüfung ablegen - die Kosten mussten sie selber tragen. Laut Unterrichtsministerium haben in den vergangenen zehn Jahren rund 10.000 Österreicher diese Möglichkeit genutzt, die auch künftig bestehen bleibt.

Beim Modell "Lehre und Matura", für das sich 2009 schon über 6200 Jugendliche entschieden haben, gilt es vier Teilprüfungen zu absolvieren (siehe Kasten). Semra und Shiba bereiten sich gerade in Kursen auf die Deutschprüfung im November vor. Berufsschule und interne Schulungen runden das Ausbildungsprogramm der beiden ab. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich nach der Matura noch studiere", sagt Shiba.

Spar befürwortet Modell für ambitionierte Junge

Nach Vorstellung von Marion Maurer, der Personalverantwortlichen bei McDonalds Österreich, sollen auf lange Sicht "zumindest 55 Prozent" der Lehrlinge die Matura machen. Derzeit ist knapp ein Fünftel der 170 Lehrlinge zweigleisig unterwegs. Die Doppel-Qualifizierung schaffe wertvolle Nachwuchsführungskräfte, die gegenüber Gleichaltrigen einen großen Karrierevorsprung haben, so Maurer. Das hohe Niveau der Ausbildner und Ausbildungsrestaurants trage dazu bei, dass bei McDonalds Karriere mit Lehre nicht nur eine hohle Phrase sei.

Kein Scheideweg mehr: Noch entscheiden sich die meisten Jugendlichen für die Lehre oder die Matura. Doch immer mehr nehmen beides gleichzeitig in Angriff. Foto: bb

Bei Spar Österreich denkt man ähnlich über die Fachausbildung mit Matura. "Wir wollen Jugendlichen, die sich für eine Lehre entschieden haben und dann aber später draufkommen, dass sie doch gerne eine höhere Ausbildung machen möchten, die Chance geben, diese Ausbildung auch zu machen", sagt Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann. Voraussetzung: Die Lehrlinge müssten bereit sein, sich auf die Doppelbelastung von Arbeiten und Lernen einzulassen. Berkmann: "Bei uns sind es 240 Jugendliche, die dieses große Engagement mitbringen und sich in dieses Abenteuer gerne stürzen." Danach stünden ihnen "alle möglichen interessanten Karrierewege" offen. Dass alle 2700 Spar-Lehrlinge die Matura machen, wird vom Handelsunternehmen nicht erwartet: "Wir freuen uns über alle Lehrlinge, mit oder ohne Matura."

Lehre und Matura

Das Modell "Lehre und Matura" wurde geschaffen, um Lehrlingen die Möglichkeit zu geben, sich parallel zur Lehrausbildung kostenlos auf die Reifeprüfung vorzubereiten. Voraussetzung ist, dass der Lehrberechtigte dieser Ausbildungsform zustimmt und es sich um einen mindestens dreijährigen Lehrberuf handelt.

Die Kosten für die Vorbereitungskurse zur Matura werden vom Bund getragen. Die Jugendlichen können drei der vier vorgeschriebenen Teilprüfungen bereits während der Lehre absolvieren - die Gebiete sind Deutsch, eine lebende Fremdsprache, Mathematik und ein Fachgebiet aus dem jeweiligen Lehrberuf.

Die letzte Prüfung darf erst nach der Lehrabschlussprüfung und nach dem Erreichen des 19. Lebensjahrs abgelegt werden. Die Lehrlinge haben insgesamt fünf Jahre Zeit, um die Matura zu machen.