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Damit Routine nicht krank macht

Von Verena Varga

Wirtschaft
Raus aus dem Hamsterrad: Oft reichen kleine Veränderungen, wie ein alternativer Anfahrtsweg ins Unternehmen, um der Routine zu entkommen.
© © Tommi - Fotolia

Für interessantere Aufgaben würden zwei Drittel kündigen. | Turnübungen und mehr Pausen lockern Alltagstrott auf.


Wien. „Alltagsroutine macht missmutig, depressiv und unterfordert - das sind alles Faktoren, die krank machen können”, sagt die Psychologin und systemische Beraterin Dagmar Stanzig. Routine im Job kann zum Arbeitsplatzwechsel führen. Knapp zwei Drittel der Finanz- und Personalexperten im deutschsprachigen Raum würden für spannendere Aufgaben ihren aktuellen Arbeitsplatz aufgeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Personaldienstleister Robert Half durchgeführte Studie.

Der zweithäufigste Beweggrund für einen Jobwechsel ist die Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung beim neuen Arbeitgeber. Für einen kürzeren Anfahrtsweg oder die Aussicht auf einen prestigeträchtigen Jobtitel sind die befragten Fach- und Führungskräfte hingegen kaum bereit, ihren Arbeitgeber auszutauschen.

Mitarbeiter brauchen Herausforderungen, damit sie langfristig im Unternehmen bleiben. Firmen verfolgen unterschiedliche Strategien, um ihren Beschäftigten Abwechslung zu bieten. Der Wiener Marmeladen- und Gemüsedelikatessen-Hersteller Hans Staud hat bereits in den frühen Achtzigerjahren damit begonnen, Arbeitsgruppen zu bilden, die sich alle zwei Wochen ablösen. Jeder Mitarbeiter durchläuft die einzelnen Stationen von Marmeladekochen über Abfüllen bis hin zum Verpacken. Anfangs gab es Widerstand seitens der Mitarbeiter, erzählt Staud.

Routine bietet Schutz und Sicherheit

Routinetätigkeiten bringen auch Vorteile, sie bieten Sicherheit, überfordern nicht und bergen keine bösen Überraschungen, erklärt Stanzig. Es ist immer eine Frage nach Kosten und Nutzen - der Vorteil der Routine wird dem Preis für eine Veränderung gegenübergestellt. Aus Sicht der Gehirnforschung ist der Alltagstrott sehr gefährlich, denn durch die ständige Unterforderung des Gehirns können keine neuen Gehirnzellen entstehen, erklärt Stanzig. Deshalb ist es wichtig, sich immer neue Aufgaben zu stellen, damit beugt man auf lange Sicht Krankheiten wie Altersdemenz vor, so die Psychologin.

Routine kann durchbrochen werden. Zuerst sollte man sein eigenes Verhaltensmuster genau analysieren, oft reicht es aus, nur Kleinigkeiten am Tagesablauf zu verändern, rät Stanzig. Die Wahl eines alternativen Anfahrtsweges zur Arbeit oder eine neue Abfolge der zu erledigenden Arbeitsschritte können helfen, aus der Routine auszubrechen.

Abwechslung tut auchProdukten gut

Die 60-köpfige Belegschaft von Staud, der sich selbst als „Qualitäts-Fanatiker” bezeichnet, war bald von den Arbeitsgruppen überzeugt. Dabei lernen die Mitarbeiter das Erzeugnis ganzheitlich kennen, die Arbeitsschritte werden sorgfältiger durchgeführt und das wirkt sich positiv auf die Qualität der Produkte aus, freut sich der Unternehmer.

Die Verkäufer des schwedischen Möbelhauses Ikea haben die Möglichkeit, zwischen den einzelnen Abteilungen zu wechseln. Die Kassierer können zwischen dem Dienst an einer herkömmlichen Kassa und jenem an einer der Expresskassen wählen, erklärt Ikea-Pressesprecherin Barbara Riedl.

Mehr kurze Arbeitspausen, in denen Fitnessübungen durchgeführt werden können, lockern den Arbeitsalltag zusätzlich auf. Beim Marmeladen-Hersteller Staud gibt es bebilderte Tafeln mit Turnübungen, mit deren Hilfe sich die Mitarbeiter in der Pause fit halten können.