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Dänemark: Ausländer rein!

Von Syvie Maier

Wirtschaft

Jobplan gegen Arbeitskräftemangel. | Quasi-Pensionisten bekommen Anreize. | Wien. Ausländer als Kollegen sind doch nicht so schlimm, meinen die Dänen laut der jüngsten Umfrage. Das beweise ein markantes Umdenken der Bevölkerung und die Bereitschaft, den neuen "Jobplan" der Regierung zu unterstützen, freut sich Arbeitsminister Claus Hjort Frederiksen. Die Initiative sieht unter anderem vor, gezielt Arbeitskräfte von außerhalb der EU und Skandinaviens ins Land zu holen. "Fast alle Menschen spüren mittlerweile selbst, dass Ärzte und Krankenschwestern, Busfahrer und auch ihnen selber Kollegen fehlen, die Arbeit abnehmen könnten", so der Minister.


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Das Land, dem seit langem der Ruf als eines mit den striktesten Gesetzen zu Einwanderung, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen anhaftet, will nun kräftig gegensteuern. Mit einer massiven Imagekampagne will sich Dänemark als Ort positionieren, an dem man "gut arbeiten und leben" kann. Nicht nur sollen Hochqualifizierte leichter Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen, auch der bürokratische Aufwand für Unternehmen, Spezialisten aus Drittländern anzuheuern, soll durch Konzernvisa verringert werden. Dies alleine werde zur Besetzung von 10.000 Jobs führen, schätzt der dänische Industriellenverband DI.

Zudem soll der öffentliche Sektor gezielt im Ausland rekrutieren. In Summe rechnet DI mit 70.000 Top-Arbeitskräften, die durch den Jobplan ins Land geholt werden könnten.

Nach den Vorstellungen der Regierung soll das Mindesteinkommen, das für eine Arbeitserlaubnis nötig ist, von derzeit 450.000 Kronen (60.400 Euro) gesenkt werden. Forscher sollen länger als drei Jahre bleiben können, ebenfalls ausgeweitet werden soll die 25-Prozent-Flat-Tax-Regelung.

Greencard für qualifizierte Kräfte

Zudem ist eine "Greencard" nach kanadischem Vorbild geplant. Damit würden qualifizierte Ausländer automatisch eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung erhalten, um vor Ort ein halbes Jahr lang auf Jobsuche gehen zu können. Außerdem dürfen, wenn es nach Premier Anders Fogh Rasmussen geht, künftig arbeitslos gewordene Drittstaaten-Bürger in Dänemark bleiben und sich um einen neuen Job umschauen - allerdings ohne Recht auf staatliche Unterstützung. Dieser Punkt liegt auch dem Arbeitsminister am Herzen: "Wir brauchen Ausländer - aber mit den richtigen Qualifikationen und der Fähigkeit, sich selbst zu versorgen."

Steuerfreibeträge für Arbeitskräfte ab 64

Weiters im Jobplan vorgesehen: Steuerfreibeträge für Über-64-Jährige, die den Arbeitsplatz der Parkbank vorziehen; flexiblere Pensionsregelungen mit mehr Möglichkeit zum Nebenverdienst sowie höhere Zuverdienstgrenzen für Studierende mit Stipendium. Angepeilt wird auch eine Verringerung der Krankenstände. Außerdem sollen auch noch die wenigen verbliebenen Arbeitslosen mit vereinten Kräften in Beschäftigung gebracht werden.

Während die Arbeitgebervertreter jubeln, wurden auch bereits kritische Stimmen laut. So meint die Nationalbank, der Plan gehe zwar in die richtige Richtung, lasse aber tiefgreifende Strukturänderungen vermissen und würde erst zu spät wirksam.