Zum Hauptinhalt springen

Dänische Krise durch Karikaturen

Von WZ-Korrespondent Ole Martin Larsen

Europaarchiv

Börsetief und Irak-Krieg-Debatte in Kopenhagen. | Kopenhagen. Gestern hat der Karikaturen-Streit erstmals auch die Kopenhagener Börse erfasst. Während andere europäische Börsen steigende Kurse meldeten, fiel ihr wichtigster Index zu Handelsbeginn um fast ein Prozent. Später erholte er sich wieder, die Verluste reduzierten sich auf ein halbes Prozent. Analysten machen dafür Dänemarks größte außenpolitische Krise seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 18 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Mittlerweile wird der Irakeinsatz des Landes in Frage gestellt. Am Sonntag erklärte ein Sprecher des irakischen Transportministeriums, dass künftig keine Aufträge für den Wiederaufbau an dänische und norwegische Unternehmen mehr vergeben werden. Der außenpolitische Sprecher der Dänischen Volkspartei, Sören Espersen, forderte daraufhin, die 500 dänischen Soldaten aus dem Irak zurückzuziehen. Sie könnten im Irak und bei Einsätzen in anderen muslimischen Ländern zur Zielscheibe werden. Laut Umfragen fürchten 79 Prozent der Dänen Terrorangriffe auf ihr Land selbst.

Königin gegen Islam?

Wegen eines Übersetzungsfehlers ist auch Königin Margrethe II. in den Karikaturen-Streit hineingezogen worden. In einem im letztes Jahr veröffentlichten Interview hatte sie erklärt, dass es nötig sei, dem Islam ein Gegenbild (modspil) gegenüberzustellen. Eine britische Zeitung machte daraus, dass es nötig sei, "Widerstand" (auf dänisch modstand) zu leisten. Für die panarabische Zeitung "Al Hayat" war dies am Sonntag das wichtigste Thema auf der Meinungsseite. Die Überschrift: "Es ist etwas faul im Staate Dänemark".

Auch das Zusammenleben der Dänen mit den Muslimen im eigenen Land wird erschwert. So erklären 59 Prozent der Befragten in einer Umfrage, dass sich die Kluft zwischen beiden Gruppen vergrößere. Dänemark hofft nun, dass andere westliche Länder eine Lösung der Causa finden.