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Dank in eigener Sache

Von Gerald Schmickl

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Seit Beginn dieses Jahres ist es bei allen Eigenbausendungen des ORF üblich geworden, dass die Moderatoren am Ende ein kleines rotes Kärtchen in die Hand bekommen, von dem sie mehr oder weniger engagiert einen Dank ans Publikum ablesen. Uns wird fürs schlichte Zusehen gedankt, fürs Dabeisein. Wir haben diese tollen Sportübertragungen, "ZiB" und Starmanias mit unserer Aufmerksamkeit erst möglich gemacht, wird signalisiert. Na, danke schön. Bei solch aufgesetztem Dank schaut man lieber gleich wieder weg.

Der Hintergrund für diese drögen Werbungen "in eigener Sache" (wie es vorweg immer amtlich heißt) ist leicht zu erraten: Da der ORF im letzten halben Jahr Quoteneinbußen erlitten hat, somit Seher verlor, muss er alle, die noch da sind, bei der Stange halten. Da das Programm anscheinend weniger ansprechend ist, wird einfach das Publikum angesprochen. Derart wörtlich scheint man diesen Auftrag zu verstehen.

Da die bösen Zeitungen den armen ORF immer so schlecht machen (wie er halt manchmal wirklich ist), muss er halt selbst sagen, wie gut und erfolgreich er in Wirklichkeit ist (was ja auch manchmal stimmt). Nur erinnert diese verordnete Form des "Tue Gutes und rede darüber" an Politbüro-Ankündigungen. So dürften es auch die meisten Moderatoren selbst empfinden, wie man ihrem mitunter säuerlichen Mienenspiel entnehmen kann (wie etwa dem deutlich naserümpfenden Sportmann Erich Weiss beim Neujahrsspringen, als ihm das ominöse Kärtchen ausgehändigt wurde). Und nun in eigener Sache: Das "Linsengericht" dankt allen seinen Lesern, ohne die es so nicht möglich wäre.