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Dann doch lieber Kasachstan

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Die Evaluierungsreise nach Almaty hätten sich die Inspektoren des internationalen olympischen Komitees sparen können: Dass Kasachstan nicht das demokratischste Land der Welt ist, dass man gegenüber den eigenen Bürgern mitunter eine härtere Linie verfolgt als etwa im Anti-Doping-Kampf, dürfte jetzt keine große Überraschung sein. Insofern bräuchten sie auch nicht nach Peking fahren, wenn sie den zweiten Olympia-Kandidaten für die Winterspiele 2022 unter die Lupe nehmen wollen. Würfeln ginge auch und wäre billiger. Für das IOC wird es jedenfalls zunehmend zur Qual, keine Wahl zu haben. Denn bei jener zwischen Almaty und Peking geht’s lediglich um das geringere Übel. Alle anderen, von München bis zu Norwegen, haben ihre Bewerbungen nach negativen Bürgervoten zurückgezogen. Es hätte ein Fingerzeig in Richtung IOC sein können, dass die Menschen in westlichen Ländern genug haben von Gigantismus, Kommerz und Geldvernichtung. Doch stattdessen ließ man sich vom vermeintlichen Reformpapier Agenda 2020, das unter fadenscheinigen Argumenten kostengünstigere und nachhaltigere Spiele verspricht, beeindrucken. Und plötzlich will etwa der Berliner Senat ganz unbedingt die Sommerspiele 2024, wirbt mit der Idee U-Bahn-Poesie- und Internetbewerben sowie Couch-Surfing für Funktionäre. Die Bürger, die sich nicht mehr so leicht blenden lassen wie früher, können sich für solche Ideen nur bedanken. Denn mit der Aussicht, in einer typischen Berliner Mietskaserne auf der Couch zu schlafen, werden die IOC-Granden wohl eher nicht für Deutschland stimmen. Da schon eher Länder wie Kasachstan.