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Dann schreiben wir eben Sisi drauf!

Von Bernhard Baumgartner

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Die Wiener ÖVP hat sich mit einem Vorschlag zur Nutzung der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten zu Wort gemeldet. Nachdem der Partei offenbar die Nutzung für Ausstellungen durch das Wien-Museum nicht profitabel genug ist, soll es nun der Monarchie-Kommerz richten. Die Villa soll unter den Titel "Sisis Home" als "Originalwohnstätte der Kaiserfamilie" zum Anziehungspunkt für Touristenscharen aus aller Welt werden. Und da man diesen offenbar den Fußweg vom Eingangstor nicht zumuten kann, sollen die knipswütigen Massen mit Shuttle-Bussen zwischen Schönbrunn und der Hermesvilla pendeln.

Dass man dabei den Tiergarten, immerhin eines der größten Naherholungsgebiete der Wiener, mal eben zur touristischen Durchzugsstrecke macht, stört die Stadt-Schwarzen offenbar nicht. Auch dass Kaiserin Elisabeth seinerzeit allenfalls ein paar Wochen pro Jahr in dem ihr zugedachten Schlösschen wirklich zugegen war, darf man nicht allzu genau nehmen. Was sind schon historische Fakten, wenn das große Geld winkt? Und die öden Ausstellungen soll das Wien-Museum dann offenbar einfach woanders machen. Am besten dann am neuen Standort, sofern der irgendwann doch einmal kommt.

Durch einfaches Abzählen kommt man drauf, dass Wien genug imperiale Anlaufstellen hat, die schon genug Geld in die Staatskassen spülen. Für eine historisch windschiefe Illusion und ein paar verkaufte Kombi-Tickets mehr ein Stück Freizeitfläche zu gefährden, um die Wien von vielen Städten beneidet wird, ist ein schlechtes Geschäft.