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Darabos hat es leichter als der Papst

Von Engelbert Washietl

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Der Autor ist Vorsitzender der "Initiative Qualität im Journalismus"; zuvor Wirtschaftsblatt, Presse, und Salzburger Nachrichten.

In der modernen Medienwelt ist Kommunikations-Management unerlässlich. | Der Vatikan hatte damit schon immer Probleme. Die PR-Experten des Papstes fordern ein Umdenken.


Die römisch-katholische Kirche, die sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte durchaus auf Darstellung und Öffentlichkeitswirksamkeit verstand, ist in medientechnischer Hinsicht nach wie vor ungelenk. Vielleicht auch deshalb, weil sie als nicht-demokratische Großorganisation einen Verhaltenscode ablehnt, der ihrem höchsten Repräsentanten eine Rechtfertigungspflicht gegenüber der Öffentlichkeit abverlangen könnte.

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sprach das Problem in einem Interview mit Radio Vatikan an: "Es sind mit Sicherheit Fehler im Management der Kurie gemacht worden." In der "Kathpress" berichtete der Rom-Korrespondent: "Freilich gibt es auch Stimmen, die dem vatikanischen Apparat vorhalten, dass man sich die Zores hätte sparen können, wenn man bereits am 24. Jänner mit ebensolcher Klarheit wie jetzt in der Note des Staatssekretariats formuliert hätte."

Immerhin hatte der Vatikan elf Tage lang zugeschaut, wie die Empörung über die Rehabilitierung eines exkommunizierten Bischofs, der sich als Holocaust-Leugner herausstellte, kochte. Erst am 4. Februar wurde klargestellt, dass Bischof Richard Williamson seinen Standpunkt widerrufen müsse. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die ursprünglich die Papst-Entscheidung öffentlich kritisiert hatte, lobte die Klarstellung als "wichtiges und gutes Signal". Das scheint aber in Rom erst recht als peinliche Einmischung verstanden worden zu sein.

Jedenfalls beeilte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, festzustellen, dass der Vatikan keineswegs auf Merkels Intervention reagiert habe. So tief steigt ein Papst nicht herunter, schon gar nicht, wenn er Deutscher ist. Die Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans hat also selbst im Krisenmanagement ängstlich-defensive Merkmale.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi plädiert für eine neue "Kultur der Kommunikation" in der Kirchenführung. Jede Abteilung kommuniziere eigenständig, ohne zwangsläufig an eine Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Vatikans zu denken, sagte Lombardi. Wenn es bereits bei der Veröffentlichung des Dekrets die zusätzlichen Erklärungen des Staatssekretariats vom 4. Februar gegeben hätte, wäre dem Vatikan viel erspart geblieben. "Vor allem, wenn es sich um heiße Themen handelt, ist es vorzuziehen, seine Erklärungen gut vorzubereiten."

In vereinfachter Form könnte man sagen, dass Österreichs Verteidigungsminister Norbert Darabos medientechnisch mit dem Unfug des Heeres, Nebelgranaten an der Autobahn zu werfen, geschickter aufgeräumt hat als der Vatikan. So wie Darabos im verantwortlichen Kommandanten einen Schuldigen festnagelte und künftige Pannen ähnlicher Art ausschloss, hätte der Papst im Chef der Päpstlichen Kommission, Kardinal Dario Castrillon Hoyos, den Sündenbock finden können, der ihn (laut Erzbischof Zollitsch) "leichtfertig ins offene Messer laufen ließ".

Darüber hinaus verbieten sich freilich Parallelen zwischen Rom und Wien. Denn politisch für eine schwindsüchtige Armee verantwortlich zu sein, die Krieg spielt, ist eine andere Kategorie als für die Weltkirche.

Dabei ist noch gar nicht der oberste Grundsatz jeder Medienpolitik angesprochen: Das Produkt muss stimmen. Die öffentliche Kontroverse gibt es gerade wegen verwirrender Signale, dass die Kirchenführung das Zweite Vatikanische Konzil noch immer nicht verkraftet.