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Darawshe, der arabische Israeli

Von Alexander U. Mathé

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Mohammad Darawshe will in Israel bleiben. Foto: Mathé

Die Araber stellen 20 Prozent der israelischen Bevölkerung und fühlen sich oftmals als Menschen zweiter Klasse behandelt. Mohammad Darawshe setzt sich für ihre Rechte ein.


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Mohammad Darawshe hat ein gestörtes Verhältnis zu dem Land, in dem seine Heimat liegt. "Es ist nicht legal, aber wir sind hier Menschen zweiter Klasse", sagt der Mann, der Araber und Israeli zugleich ist. Vor dem Gesetz sollte er als Moslem in Israel dieselben Rechte wie seine jüdischen Landsleute haben, doch die Realität sieht für ihn anders aus.

"Wir stellen zwar 20 Prozent der Bevölkerung, erhalten aber nur ein Prozent der Gemeindeförderungen", erklärt Darawshe. Nur 2,7 Prozent des Landes gehören seinem Wissen nach Arabern, die zudem in ghettoartigen Zuständen leben. Ein israelisches Gesetz erlaube es nämlich Gemeinden mit weniger als 500 Familien (immerhin 70 Prozent der Gemeinden), Neuankömmlinge abzuweisen. So lebt auch Darawshe mit seiner Frau und seinen drei Kindern in der kleinen arabischen Gemeinde Iksal bei Nazareth.

Dabei hat er sich diese Situation nicht ausgesucht. "Auf einmal waren wir Bürger eines Staates, den wir bekämpft haben", erklärt er. Zur Zeit der Staatsgründung Israels 1948 war dies das Schicksal von 156.000 Arabern. Heute sind es 1,3 Millionen. Und die bekommen täglich zu spüren, dass sie nicht erwünscht sind.

"Du kannst zehn Mal am Tag im Fernsehen hören, dass Araber in Israel ein historischer Fehler sind", sagt Darawshe. Trotzdem wird von Arabern verlangt, den Loyalitätseid auf den "demokratischen und jüdischen Staat Israel" abzulegen. "Damit schwöre ich, einem Staat treu zu sein, dem ich laut Schwur gar nicht angehöre", gibt der 47-Jährige zu bedenken.

Er ist weder jemand, der bei Ungerechtigkeiten nur tatenlos zusieht, noch einer, der deswegen zur Waffe greift. Gemeinsam mit einem jüdischen Kollegen führt er die Geschäfte des "Abraham Fund", einer Denkfabrik, die sich für gleiche Rechte von Juden und Arabern in Israel einsetzt. Bereits 1989 hat Darawshe mitgeholfen, den Fund zu gründen. Sein großes Ziel war es damals, den Arabern eine Stimme im politischen Prozess zu geben, daher setzte er sich für eine arabische Partei in Israel ein. Sein Engagement wurde 1996 belohnt, nachdem die Vereinigte Arabische Liste mit vier Sitzen in die Knesset einzog. Darawshe erachtete 2005 seine Aufgabe als erfüllt und kehrte zum Fund zurück, nachdem er zahlreiche Friedenspreise gewonnen hatte, unter anderem den des Weltverbands der Nichtregierungsorganisationen.

Doch schon kommen erneut schwere Aufgaben auf Darawshe zu. Denn die Situation der Araber hat sich ihm zufolge in den letzten zwei Jahren wieder drastisch verschlechtert. "Das, was früher politisch rechts war, ist jetzt das Zentrum." Ob die Schaffung eines palästinensischen Staates die Probleme lösen würde? Das wäre natürlich schön, doch von Israel weggehen würde er deshalb dann nicht, erklärt Darawshe: "Hier ist meine Heimat."