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Darf man Hitler begolfen?

Von Bernhard Baumgartner

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Die Kunstausstellung einer Galerie in Südengland sorgt derzeit für (vermutlich wohl geplante) Aufregung. Die Installation besteht aus neun Minigolfbahnen, die mit Kunststoff-Hindernissen bestückt sind. Eines davon ist der Oberkörper einer Adolf-Hitler-Figur im Comic-Stil. Spielt man den Ball durch seinen Genitalbereich, hebt er die Hand zum Gruß.

Der Aufschrei einiger jüdischer Organisationen ließ nicht lange auf sich warten: "Hitler ist niemand, über den man einen Scherz macht - er ist verantwortlich für die Morde an vielen Millionen Menschen", sagte ein Sprecher des Board of Deputies of British Jews. Die Galerie konterte: "Die Figur wird damit lächerlich gemacht und verspottet", betonte Kurator Stuart Tulloch von der Grundy Art Gallery in Blackpool.

Wer hat in diesem heiklen Fall recht? Wohl beide - aus ihrer speziellen Sicht. Allerdings steht zu bedenken, dass ein generelles Humor-Verbot in Sachen Hitler wohl für die Sache eher kontraproduktiv ist. Schließlich würde damit auch einer gewissen Tabuisierung Vorschub geleistet, die dann sozusagen als Bumerang auch einer ernsthaften Aufarbeitung hinderlich gegenübersteht. Immerhin wird ja die Person unmissverständlich der Lächerlichkeit preisgegeben.

Der deutsche Cartoonist Walter Moers hat es vor einigen Jahren mit seinen "Adolf"-Bänden ("Der Bonker") vorexerziert, in denen er mit Brachialhumor das Hitler-Tabu dekonstruierte. Schon damals waren Debatten unausweichlich und die Fronten verhärtet. Ein Lachen jedenfalls, das im Hals stecken bleibt.