Zum Hauptinhalt springen

Darf man Trauer verkaufen?

Von Bernhard Baumgartner

Kommentare

Wie gehen Journalisten mit Menschen um, in deren Leben sich besonders tragische Ereignisse abgespielt haben? So tragisch etwa, dass der Boulevard auf sie aufmerksam wird. Denn wo Leid, da ist auch die Boulevard-Presse - nichts verkauft sich besser als menschliches Leid, das unter dem Deckmantel der Anteilnahme unter die Leute gebracht wird. Ein besonders dreistes Stück hat sich wiedereinmal die Tageszeitung "Österreich" geleistet. Auf ihrer Website hat sie einen "Live-Ticker" eingerichtet zum Begräbnis des 7-jährigen Berks, der nach einem Kopfschuss durch den Vater starb. Bild und Text gibt es da live vom Journalisten vor Ort. Eine "Aktuelle Diashow vom schmerzhaften Abschied von Berk im Alevitischen Veranstaltungszentrum" verwies (bis zur Einstellung der Seite nach öffentlicher Kritik am Dienstagnachmittag) zum Klick auf eine Bilderserie, die Trauernde von hinten zeigt. Ob sie wissen, dass sie fotografiert wurden? Dazu Plattitüden wie: "Die Mienen der Trauernden sind schmerzverzerrt. Die Trauer der Anwesenden ist riesengroß" oder "Es hat 20 Grad, die Sonne scheint - den Trauergästen ist jedoch nicht besonders fröhlich zumute."

Ist das wirklich notwendig? Nein, natürlich ist es das nicht. Egal, ob im Fernsehen, Radio oder auch als Website. Wenigstens in diesen Momenten hat man als Journalist das zu tun, was richtig ist: Die Menschen in ihrer Trauer und ihrem Schmerz so wenig wie möglich zu stören. Denn Trauer ist privat - und geht niemanden etwas an. Auch wenn sich der eine oder andere Gaffer finden mag, der sich das auf einer Website aus reiner Sensationsgier reinzieht.