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Das Alte mit dem Neuen verbinden

Von Margot Landl

Politik
Der Reumannplatz soll zum Bezirkszentrum werden, wünscht sich Marcus Franz.
© Stanislav Jenis

Marcus Franz ist Favoritens neuer Bezirksvorsteher. Mit 39 Prozent SPÖ-Mehrheit im Bezirk bei der Nationalratswahl übernimmt er einen der für die Partei stärksten Bezirke - der aber, wie alle Flächenbezirke, einen starken Blauwähleranteil hat.


Wien. Flächenmäßig ist Favoriten zwar nur Wiens sechstgrößter Bezirk, was die Bevölkerungszahl angeht, ist er jedoch Spitzenreiter. Fast 200.000 Einwohner verzeichnet Wiens 10. Bezirk, nur noch ein paar tausend weniger als Linz. Wächst er weiter so schnell, dann hat er die oberösterreichische Landeshauptstadt bald eingeholt und wäre damit die drittgrößte "Stadt" Österreichs.

Seit 27. September ist Marcus Franz von der SPÖ Wien - nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Nationalratsabgeordneten Marcus Franz von Team Stronach und ÖVP - Bezirksvorsteher von Favoriten. Mit der "Wiener Zeitung" spricht er über seine Pläne, sprichwörtliche und tatsächliche Baustellen und darüber, dass in Favoriten alles ein bisschen größere Dimensionen hat.

"Wiener Zeitung": Seit 27. September sind Sie Bezirksvorsteher von Favoriten. Was sind Ihre Pläne für den Bezirk?

Marcus Franz: Ich möchte den Bezirk auf alle Fälle einmal in ein positives Licht rücken. Wir sind ein wachsender Bezirk, ein Bezirk, wo die Leute hinziehen und gerne leben wollen, mit vielen Grünflächen und nun sind wir auch durch die U1 von Nord nach Süd erschlossen. Man ist schnell in der Stadt, aber auch schnell am Land. Ein großer Teil der Bezirksbewohner genießt nun eine neue Mobilität.

Stichwort Mobilität: Die Freifläche am Verteilerkreis an der neuen U1-Station Altes Landgut steht immer wieder in der Diskussion um einen Fernbus-Teminal. Was halten Sie davon?

Ich glaube persönlich und auch durch Gespräche mit anderen Parteien, dass wir im Bezirk davon keinen Mehrwert hätten. Es liegt immer noch kein Konzept vor, wie 700 Busse täglich am Verteilerkreis ein- und ausfahren sollen, wo es schon heute ständig Stau gibt. Wir schaffen keine Arbeitsplätze und die Abgasbelastung wird auch nicht besser werden. Außerdem haben die Reisenden dort keine Aufenthaltsqualität. Sie würden sich in die U1 setzen und direkt woanders hinfahren.

Bautätigkeit findet in Favoriten gerade an allen Ecken und Enden statt, besonders, was Wohnbau betrifft. Welche Projekte laufen hier?

Hier im Sonnwendviertel ist die Bautätigkeit abgeschlossen, wenn der hintere Teil bis zu den Bahngleisen auch vollständig bebaut ist. Ich schätze, das dauert noch fünf Jahre. Dann gibt es hier Wohnraum für 20.000 Menschen. Am Wienerberg wird auf den ehemaligen Coca-Cola-Gründen "Biotope City" errichtet, ein neuer Stadtteil mit 900 Wohnungen. Dazu kommen noch die Stadterweiterungsgebiete Grundäcker III in Oberlaa und irgendwann Rothneusiedl.

Das war’s?

Natürlich nicht, daneben gibt es noch viele kleinere Bauprojekte. Die erwähnen wir gar nicht, in anderen Bezirken sind das große Bauvorhaben, bei uns sind es Lückenverbauungen. 100 Wohnungen sind dort viel, bei uns passiert das laufend.

Gibt es, wie teilweise in anderen Bezirken, Widerstand aus der Bevölkerung gegen Bauvorhaben?

Es hat sich gezeigt, dass, wenn Anrainer von Anfang an eingebunden werden, es positiv für alle Seiten ist. Wie beispielsweise bei der Bebauung der ehemaligen Beiersdorf-Gründe auf der Laxenburger Straße. Dazu kommt, dass wir früher viele Gebiete bebaut haben, wo schon Betriebe oder Fabriken waren. Da war die Fläche also auch davor schon verbaut.

Die Einführung des Parkpickerls am 4. September ist hingegen - wie in den meisten Bezirken - nicht ohne Widerstand abgelaufen. Wie ist die Situation einen Monat danach?

Ich habe viele Gespräche geführt und alle waren positiv. Lokal- und Geschäftsbesitzer freuen sich, dass ihre Kunden nicht erfolglos einen Parkplatz suchen und dann frustriert weiterziehen. Auch die Gebiete um die neuen U-Bahn-Stationen würden ohne Parkpickerl im Verkehr ersticken. Aber wir haben ja bereits gesehen, dass die Skepsis vor der Einführung höher ist als danach.

Kommt man von der U-Bahn-Station Keplerplatz ins idyllische Sonnwendviertel, fühlt man sich wie in einer anderen Stadt. Wie kann man das für alle erreichen?

Hier und auch am Wienerberg wurden verschiedene Wohnungstypen errichtet, um die soziale Durchmischung zu gewährleisten. Auch gibt es schon ein Budget dafür, die Keplergasse als Weg vom Sonnwendviertel auszubauen. So soll die Verbindung zur Favoritenstraße freundlicher gestaltet werden. Sie soll als Fußgängerzone attraktiv gemacht werden.

Mit welchen Maßnahmen?

Südlich des Reumannplatzes werden auf der Favoritenstraße Richtung Verteilerkreis die Gehsteige verbreitert und Radwege und Parkplätze geschaffen. Außerdem sollen Bäume gepflanzt werden. Oft geht es bei so etwas nur um kleine Dinge: ein Chor in der Adventzeit zum Beispiel. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer versuchen wir, die Geschäftsleute mit ins Boot zu holen. Denn die Strukturen sind ja da. Mit der Auflassung der 67er-Straßenbahn aufgrund der verlängerten U1 bieten sich auch für die Gestaltung des Reumannplatzes neue Möglichkeiten.

Gibt es dafür schon Ideen?

Im September gab es Bürgerbeteiligungsmodelle vor Ort, deren Ergebnisse in die Planung einfließen werden. Mein Wunsch wäre, dass der Reumannplatz eine Art Bezirkszentrum wird, ein Treffpunkt für alle. In der Presse macht der 10. Bezirk ja meist eher negative Schlagzeilen.

Wie geht man als Bezirksvorsteher damit um?

Man muss das in Relation zur Einwohnerzahl von fast 200.000 sehen. Es sind viele Vorurteile im Umlauf. Was etwa die Zahl der Anzeigen angeht, führt nicht der 10., sondern der 1. Bezirk. Aber klar: In sehr dicht besiedelten Gebieten kommt es immer wieder zu Reibereien. Wir sind hier zehn Prozent der Wiener Bevölkerung, also brauchen wir auch zehn Prozent der Wiener Polizei. Linz ist nur um 5000 Personen größer, hat aber doppelt so viel Polizei.

Neben mehr Polizei ist als ehemaliger Kulturvorsitzender ein größeres kulturelles Angebot eine Ihrer zentralen Forderungen. Wie könnte das aussehen?

Wir Außenbezirke sind kulturell nicht so gut ausgestattet wie die inneren. Wir haben kein Theater und mit dem Wegfall der Kurhalle Oberlaa auch kein großes Veranstaltungszentrum mehr. Einen passenden Standort dafür zu finden, könnte positiv sein.

Sie sind ja selbst Ur-Favoritner. Was können Sie aus dieser Erfahrung mitnehmen?

Ich möchte das Alte mit dem vielen Neuen hier verbinden. Damit sich alle Bevölkerungsschichten hier wohlfühlen.

Marcus Franz (44) ist seit 27. September neuer Bezirksvorsteher von Favoriten und Nachfolger von Hermine Mospointner, die nach über 20 Jahren im Amt ihre politische Pension antritt. Der ausgebildete Großhandelskaufmann ist selbst in der Per-Albin-Hansson-Siedlung aufgewachsen. Seit 1995 ist er in verschiedenen Funktionen für die SPÖ in Wien aktiv, zuletzt als Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Favoriten.