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Das Amerikanisch der Saison

Von Konstanze Walther

Politik

Donald Trump wirbt mit einer "Made in America"-Woche und für "amerikanische" Jobs.


Washington. Geschäft ist Geschäft. US-Präsident Donald Trump verwandelt diese Woche das Weiße Haus in einen riesigen Showroom. Motto: "Made in America" - produziert in Amerika. Dass Amerika in Nord- und Südamerika unterteilt ist und sich die USA Nordamerika mit Kanada und Mexiko teilen, ist in diesem Zusammenhang natürlich eine ungebetene Differenzierung. Denn das "Made in America", das Donald Trump meint, umfasst lediglich die 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten.

Und so präsentiert sich die Leistungsschau der USA: Trump klettert ins Cockpit eines Feuerwehrautos. Trump setzt einen personalisierten Cowboyhut auf. Trump nimmt einen Baseball-Schläger in die Hand. Trump bestaunt eine Planierraupe der Marke Caterpillar aus Illinois. Trump gestikuliert erfreut bei dem Gabentisch der Zielfernrohre aus Oregon. Trump mustert zufrieden den Rasenmäher aus Kansas.

"Wir werden uns für unsere Unternehmen einsetzen, und, am wichtigsten, wir werden uns für unsere Arbeiter einsetzen", proklamierte Trump bei der Eröffnung seines Marktplatzes. "Es ist längst an der Zeit für eine neue Politik, die von zwei einfachen Regeln bestimmt wird: Wir werden amerikanisch kaufen. Und wir werden amerikanisch einstellen."

Trump bekräftigte damit sein Versprechen, das er im Wahlkampf zigmal getrommelt hat.

Doch just zur selben Zeit, als Trump im Weißen Haus von seiner "America First"-Vision sprach, erhöhte die US-Regierung die Quoten für Saisonarbeiter aus dem Ausland. Laut den US-Behörden gibt es nicht genügend qualifizierte US-Amerikaner für "gewisse saisonale Arbeiten, die nicht dem Landwirtschaftssektor angehören".

Befürworter von strikteren Immigrationsvorschriften kritisierten die Maßnahme und erklärten, US-amerikanische Arbeiter sollten doch diese Jobs bekommen.

Präsident Trump hatte in der Vergangenheit bei seinen Hotels und Casinos ebenfalls Saisonarbeiter beschäftigt.

"Erhöhung der Quoten als Zeichen unseres Einsatzes"

Nun erklärten Vertreter des US-Ministeriums für Innere Sicherheit, man werde 15.000 zusätzliche Arbeitsvisa für Saisonarbeiter auflegen. Der Minister für Innere Sicherheit, John Kelly, machte folgenden verbalen Spagat: "Als Zeichen des Einsatzes der Regierung, amerikanische Unternehmen zu unterstützen, stellt unser Ministerium diese einmalige Erhöhung (der Arbeitsvisa, Anm.) bereit, deren Volumen sonst vom Kongress gedeckelt wird." John Kelly ist übrigens auch prononcierter Befürworter einer Mauer zu Mexiko und hat noch im April behauptet, dass mit dem Bau Ende Sommer 2017 begonnen wird. Bekanntermaßen sieht es derzeit aber noch gar nicht danach aus. Trump ist sich schließlich noch nicht einmal über die Beschaffenheit der Mauer im Klaren. Unlängst warf er Solar-Module dafür ins Rennen, ignorierte damit das Faktum, dass sich solche Anlagen nicht senkrecht aufstellen lassen, also keine Mauer im klassischen Sinn ergeben können. Vergangene Woche meinte er, die Mauer sollte aus einem transparenten Material sein, damit man die Säcke voller Drogen sehen könne, die die Dealer über die Mauer werfen - und dadurch niemand verletzt werde.

Die Unternehmer, deren Stimmen Trump mit dem Versprechen einer "phänomenalen" Steuerreform gefischt hatte, dürften übrigens, Saisonarbeiter hin, Werbeflächen im Weißen Haus her, bald eine Enttäuschung erleben. Die von Trump versprochene Steuerentlastung für amerikanische Firmen fällt voraussichtlich kleiner aus als angekündigt. In US-Regierungskreisen hieß es am Montagabend, die Verhandlungsführer peilten nicht mehr eine Verringerung des Steuersatzes von 35 auf 15 Prozent an. Stattdessen versuchten sie, auf einen Wert am unteren Ende einer Spanne zwischen 20 und 25 Prozent zu kommen.

Übrigens: Die "Washington Post" hatte vor kurzem berichtet, dass das Modelabel von Trumps Tochter Ivanka de facto ausschließlich in Ländern wie China, Indonesien und Bangladesch produzieren lasse.