Zum Hauptinhalt springen

Das amerikanische Terrorismusgeschäft

Von Stefan Haderer

Gastkommentare
Stefan Haderer ist Kulturanthropologe und

Das Terrorismusgeschäft hat noch nie so geboomt wie nach 9/11. Jetzt scheint es einen neuen Aufschwung zu erleben.


Die USA und Europa befinden sich in höchster Alarmbereitschaft, nachdem die Terrororganisation Al-Kaida angeblich "etwas Großes" im Schilde führt. Wieder einmal geht also die Angst um, dass Europa für sein Bündnis mit den USA bitter bezahlen könnte.

Dass diese Furcht völlig unbegründet ist, soll nicht behauptet werden. Dass sie aber auch gezielt dafür genutzt wird, Menschen einzuschüchtern und diese zwingt, immer mehr persönliche Freiheiten aufzugeben, liegt auf der Hand. Das Terrorismusgeschäft hat noch nie so geboomt wie nach 9/11. Jetzt scheint es einen neuen Aufschwung zu erleben.

Diesmal ist es für die Amerikaner also die Reisefreiheit, die auf dem Spiel steht. Das US-State-Department hat eine globale Reisewarnung herausgegeben. Man sieht darüber hinweg, dass es eigentlich in den USA selbst - trotz schärfster Überwachung und Sicherheitsvorkehrungen - für amerikanische Staatsbürger nicht wesentlich sicherer ist als etwa in Österreich, Japan oder Chile. Die zwei Anschläge während des Boston-Marathons am 15. April 2013 haben das gezeigt.

Doch Schwäche wollen sich die Vereinigten Staaten nicht eingestehen, schon gar nicht, wenn es um die Rechtfertigung dubioser Geheimdiensttätigkeiten vor ihren engsten Verbündeten geht.

Das Schreckgespenst Al-Kaida erfreut sich größter medialer Aufmerksamkeit, denn es genügt schon die Erwähnung dieses Wortes und den Menschen wird angst und bange. Dabei verschweigt man, dass Al-Kaida bei weitem nicht so stark vernetzt ist, wie man sich das vorstellt. Sonst wäre es wohl einfacher, den Feind zu bekämpfen. Islamistische Gruppen gibt es zahlreiche und sie sind vom Maghreb bis auf die Insel Mindanao in den Philippinen so zersplittert, dass man ihnen unmöglich einen charismatischen Führer, der schon längst tot ist, zuschreiben könnte. Selbst im Jemen leben zahlreiche Clans, die sich nicht derselben Führung unterordnen, aber zumindest über genug Waffen verfügen, um jemandem Schaden zuzufügen.

Die eigentliche Gefahr lauert aber nicht im Jemen, ja, sie geht nicht einmal von der Al-Kaida aus. Seit dem Beginn der Arabischen Revolution - also immerhin fast schon drei Jahre lang - werden Widerstandskämpfer, darunter auch islamistische Rebellen, gezielt von den USA und Europa mit Waffen versorgt. Die Artillerie wird ihnen vom wohl größten Sponsor des islamistischen Terrorismus, dem Emirat Katar, geliefert und die Waffenlobbys verdienen damit auch einiges dazu.

Genau deshalb wirken die Versprechungen des Westens, die Welt im "Krieg gegen den Terror" zu verteidigen, mehr denn je wie heiße Luft. Die Entmachtung alter Feinde der USA wie Saddam Husseins im Irak und Osama bin Ladens in Afghanistan sowie der Kampf gegen neue - Muammar Gadaffi in Libyen oder Bashar al-Assad in Syrien - haben die Islamisten jedenfalls erheblich gestärkt.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Jetzt liegt es am Westen, die Kooperation mit arabischen Golfstaaten wie Katar zu überdenken. Dieser Schritt wäre ein erster wichtiger, um dem Geschäft mit dem Terrorismus Einhalt zu gebieten.