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Das anstrengende Fernsehen

Von Ina Weber

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Wohltuend ansprechend formulierte Arte den Titel des Themenabends am Dienstag: "Das anstrengende Leben". Allein der Titel versprach so vieles: Solidarität, Empathie, Anerkennung, Lösungen - für ein furchtbar anstrengendes Leben. Es beginnt mit dem Aufstehen, obwohl man doch noch so müde ist. Weiter geht es mit den alltäglichen Dingen, die gemacht werden müssen, ob man will oder nicht, und mit dem Ewiggleichen, dem Alltag. Wenn eine Mutter mit etwas Freude in der Stimme sagt: "Das ist einmal was anderes", kann man sich den Rest schon ganz gut vorstellen. Jeden Tag zur Arbeit gehen, auch wenn man mal nicht will; die kranken Kinder pflegen, auch wenn man selbst schon pflegebedürftig ist; für alle da sein müssen, weil man sonst als egoistisch abgestempelt wird und man dann vielleicht keine Freunde oder Kollegen mehr hat. Jeden Tag die Frage, was man isst, von wo man es herkriegt, wer es kocht und vor allem wann. Die Kindergarten- und Schulzeiten in den Tag integrieren, die Familie nicht vernachlässigen und gleichzeitig auf sich schauen, den Abend entspannend gestalten gleichzeitig seine Ziele nie aus den Augen verlieren - all das wurde in dem Beitrag nicht gezeigt, stattdessen war er mehr als anstrengend: Es wurden fast nur Fremdwörter benutzt und Bilder vom Gehirn gezeigt. Erst am Ende des Beitrages wurde es spannend: In Bozen nämlich gibt es ein Amt für Zeitpolitik. Dort wurde zum Wohle aller die flexible Arbeitszeit eingeführt und man höre und staune: Es funktioniert!