Zum Hauptinhalt springen

Das "Bankhaus Stantejsky" kracht

Von Petra Paterno

Kommentare

Silvia Stantejskys Aussage kommt überraschend - und überrascht doch niemanden. In den bisherigen Verhandlungen wies die ehemalige kaufmännische Direktorin des Burgtheaters zwar sämtliche Vorwürfe von sich. Aber dass die einstige Herrin der Zahlen über diese längst die Kontrolle verloren und eine höchst eigenwillige Auffassung ihrer Zuständigkeiten und Kompetenzen hatte, wurde im Lauf der Enthüllungen rund um den Finanzskandal des Theaters zunehmend ersichtlich.

Nun hat Stantejsky, laut einem Bericht von "profil", vor der Staatsanwaltschaft zugegeben, dass sie ihr privat anvertraute Künstlergagen immerhin in der Höhe von beinahe 400.000 Euro veruntreute. Das selbst ernannte "Bankhaus Stantejsky" nahm und verteilte Geld offenbar freihändig. Zum Teil wurde es in die Theaterkassa eingezahlt - "ich wollte das Burgtheater besser dastehen lassen" -, zum Teil verwendete sie es für private Zwecke. Andererseits habe Stantejsky angeblich über die Jahre hinweg 146.000 Euro ihres Privatvermögens in das Theater gesteckt.

Die Details mögen immer bizarrer werden, die Fragen bleiben seit Beginn der Causa die gleichen: Wie konnte es so weit kommen, dass das - verglichen mit allen anderen Bühnen des Landes - bestdotierte Theater derart ins Minus abrutschte? Wie konnte sich offenbar über Jahre hinweg ein völlig chaotisches Geldentnahme- und Verleihsystem entwickeln, ohne dass dem klandestinen Treiben holdingintern Einhalt geboten wurde?

Die Antworten sind noch immer ausständig. Ein Ende der Verfahren ist derzeit nicht in Sicht.