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Das Burgenland ist anders

Von Christoph Irrgeher

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Es verbietet sich, Witze über ein Bundesland zu reißen. Und es gehört sich nicht, einen Intendanten noch vor Dienstbeginn zu tadeln. Als Beobachter der burgenländischen Kulturszene kommt man trotzdem nicht um ein Stirnrunzeln herum. Ab nächstem Jahr finden dort zwei Haydn-Konkurrenz-Festivals statt - als Frucht eines Kleinkriegs zwischen Esterházy-Privatstiftung und Landespolitik. Und 2018 dann ein frappanter Chefwechsel bei den Seefestspielen Mörbisch. Die werden derzeit von Dagmar Schellenberger geführt - gewiss, kein allbekannter Publikumsmagnet wie Vorgänger Harald Serafin. Den gibt’s aber nicht zweimal. Und dass die Besucherzahlen (wie beim Festivalnachbarn in St. Margarethen) nicht mehr alte Spitzen erreichen, ist zum Teil wohl ein Zug der Zeit. Dennoch wollte die Landespolitik Schellenbergers Vertrag nicht verlängern und fischt ab 2018 mit einem neuen Gesicht nach Publikumsgunst. Mit Gerald Pichowetz. - Pichowetz?

Zumindest aus seiner Warte ist ein Besucherzuwachs garantiert: Das bisherige Haus des Schauspielers und Direktors, das Gloria Theater, besitzt 550 Plätze; Mörbisch dagegen deren 6200. Ein wichtiger Unterschied freilich auch: Mörbisch serviert nicht, wie das "Gloria", Boulevardkomödien ("Opa ist die beste Oma"), sondern Operette - im besten Fall also die kleine Schwester der Oper, in jedem aber Musiktheater. Und damit hatte Pichowetz, anders als seine Mörbisch-Vorgänger, bisher wenig am Hut.

Wobei, zwei Serafin-Parallelen weist er doch auf: Auch ihn kennt man aus dem ORF ("Kaisermühlen Blues") - und für ein breites Grinsen. Möge es ihm auf der Riesenbühne von Mörbisch nicht sehr rasch vergehen.