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Das Büro ist da, wo ich arbeite

Von Stephan Hofer

Wirtschaft
Arbeiten von überall aus - moderne Technik und Vertrauen vom Arbeitgeber machen‘s möglich.
© © Gina Sanders - Fotolia

Unmissverständliche Kommunikation von Zielen ist unerlässlich.


Wien. Videokonferenzen, E-Mails und kabelloses Internet machen es immer einfacher, unterwegs oder von zu Hause aus zu arbeiten. Diese Möglichkeit wird bereits von mehr als der Hälfte der österreichischen Arbeitnehmer genutzt, wie eine aktuelle Studie zeigt.

59 Prozent von insgesamt 320 Befragten in Österreich hat die Möglichkeit, an anderen Arbeitsplätzen als im Firmenbüro zu arbeiten. Die internationale Studie entstand im Auftrag von Regus, einem Anbieter von flexiblen Arbeitsplatzlösungen. Die so gesparte Pendelzeit nutzen die Befragten zum Großteil für Sport und Gesundheit sowie für die Familie. Fast ein Viertel investiert die gewonnene Zeit aber auch wieder in die Arbeit. Flexibles Arbeiten bringt also nicht nur den Mitarbeitern Vorteile.

Der Vormarsch flexibler Arbeitsmodelle wird vor allem durch den technologischen Fortschritt ermöglicht, meint Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich. "Vor zehn Jahren waren etwa Videokonferenzen über das Internet so gut wie undenkbar", sagt er. Erst durch die Verfügbarkeit von Breitband-Internet sei das mobile Büro für die meisten Unternehmen praktikabel geworden.

"Die Technik ist aber nur eine Voraussetzung, auch die Unternehmenskultur muss stimmen", betont Lutz. "Es gibt nach wie vor Arbeitgeber, die glauben, sie müssten ihre Angestellten kontrollieren, damit sie produktiv sind." Microsoft Österreich setze stattdessen schon seit 20 Jahren auf die sogenannte Vertrauensarbeitszeit.

Vertrauen zahlt sich aus

Die Vertrauensarbeitszeit ist nur eines aus einer Vielzahl flexibler Arbeitszeitmodelle. Dabei wird zwischen Arbeitgeber und Angestelltem ein bestimmtes Erfolgsziel für einen festgelegten Zeitraum vereinbart. Der Arbeitsfortschritt wird dann in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen evaluiert und besprochen. "Das Wichtigste ist hier die Kommunikation", sagt Thomas Lutz. Die Ziele müssen in Quantität oder Qualität klar definiert sein, damit weder beim Arbeitgeber noch beim Arbeitnehmer Missverständnisse oder Unklarheiten aufkommen. "Gerade diese Eigenverantwortung schätzen viele Mitarbeiter", meint Lutz.

Das bestätigt auch Christian Decker, Technologieberater für Microsoft-Partnerunternehmen. Decker berät Unternehmen in der Anwendung von Microsoft-Produkten und ist daher viel unterwegs. Seine Arbeitszeit teilt er sich dabei vollkommen frei ein. "Bestimmte Monate im Jahr sind arbeitsintensiver, da arbeite ich überdurchschnittlich viel. Dafür sind andere Monate wesentlich entspannter", berichtet er.

Die richtige Balance finden

Zusätzliche Freizeit in Monaten mit geringerem Arbeitspensum nutzt Christian Decker für seine Familie und für Sport.

"Ich laufe Marathon. Die Kondition, die ich mir dabei antrainiere, hilft mir auch in stressigen, arbeitsintensiven Zeiten", sagt er. Die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, hält Decker für die größte Herausforderung als Angestellter in einem flexiblen Arbeitsmodell. "Entgegen der Befürchtung vieler Arbeitgeber tendieren die meisten Angestellten eher dazu, mehr zu arbeiten", weiß er zu berichten.

Seminare und Workshops, die Angestellte, aber auch Vorgesetzte im richtigen Umgang mit flexiblen Arbeitsmodellen schulen, sieht Decker daher als unerlässlich an. "Ein Vorgesetzter in unserem Unternehmen hatte zum Beispiel die Angewohnheit, am Samstagmorgen beim Frühstück E-Mails zu verschicken", sagt er. Obwohl er in der Regel keine Antwort vor Montag benötigte oder erwartete, setzte er seine Mitarbeiter dadurch unabsichtlich unter großen Druck, da diese die Dringlichkeit seiner Anfragen nicht einschätzen konnten. "In so einem Fall ist es wichtig, klar mitzuteilen, bis wann eine Aufgabe oder Anfrage bearbeitet werden soll. Das sind Kleinigkeiten, die aber eine große Auswirkung auf die Qualität der Zusammenarbeit haben", sagt Decker.

Das klassische Firmenbüro wird aber auch durch flexible Arbeitsmodelle nicht überflüssig. "Das Büro hat nach wie vor eine wichtige Funktion als Ort der Zusammenkunft und des Austausches", stimmen Thomas Lutz und Christian Decker überein.