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Das Cloud Computing der Geschäftskunden

Von Eva Stanzl

Wirtschaft
Überall arbeiten: Zentral gesteuerte Betriebssysteme machen es möglich. Foto: bilderbox

"Desktop- Virtualisierung" soll rund 600 Euro pro Mitarbeiter sparen. | Ein Software-Paket für drei Zeitzonen. | Wien. Software-Hersteller müssen künftig ihre Lizenzmodelle überdenken. Denn das Geschäft mit dem Verkauf von Programmen an jeden Computer-Besitzer könnte bald der Computer-Steinzeit angehören. "Desktop-Virtualisierung" sei die Zukunft, erklärte Jürgen Dick von VM Ware, Spezialist für Business-Computersysteme, am Donnerstag vor Fachpublikum.


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Wer sich vom Fachjargon nicht abschrecken ließ, erfuhr, dass "Desktop-Virtualisierung" nicht ausschließlich großflächigen Personalabbau zur Folge habe. Vielmehr würde die Systemadministration ausgegliedert und die Software und das Betriebssystem von dort aus installiert und gewartet.

Konkret: Wenn heute ein Mitarbeiter angestellt wird, kommen, bevor er zu arbeiten beginnt, die Systemtechniker des Hauses. Sie setzen das E-Mail-, Schreib- und Grafikprogramm auf und vergeben den Benutzernamen und Passwörter: Der sogenannte "Desktop" entsteht. Doch der Computer-Schreibtisch ist meist nur im Firmengebäude zugänglich.

Stattdessen soll nun der persönliche "Desktop" - also die eigenen Computerdaten und -programme - von überall aus abrufbar sein, quasi ein Cloud-Computing für Geschäftskunden. Das Client-Betriebssystem läuft inklusive aller normalerweise lokal installierten Anwendungen auf dem zentralen Server.

Für jeden Mitarbeiter in einer solchen Konstellation existiert dort ein virtueller Arbeitsplatzrechner, auf den er von seinem PC oder Laptop aus zugreifen kann.

Systemabstürze zentral behoben

Und mehr: "Systemabstürze werden zentral behoben", sagt Dick. Man müsse nicht mehr warten, bis der Systemtechniker im Haus endlich kommt. Die Frage, ob man dann nicht ähnlich wartet, bis der ausgegliederte Systemtechniker das Telefon abhebt, quittiert der VM-Ware-Spezialist damit: "Im Schnitt dauert es bei uns 38 Sekunden, bis ein Absturz behoben ist. Abgesehen davon können Sie zentral gespeicherte Daten nicht verlieren, selbst wenn Ihre Festplatte kaputt geht."

Im Schnitt erspare die "Desktop-Virtualisierung" um die 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Etwa müssen Firmenchefs nur 50 Softwarelizenzen für 150 Mitarbeiter kaufen, wenn diese in drei Zeitzonen je acht Stunden arbeiten. Oder Systemtechniker können von daheim aus arbeiten. So habe etwa die Großbank Unicredit bereits auf Arbeitsplätze in ihrer IT-Abteilung verzichtet: Die Mitarbeiter administrieren das System vom eigenen Computer aus. Die "Virtual Desktop Infrastructure" von VM Ware sei der Vorreiter, doch Citrix, Microsoft und Sun ziehen nach. Laut Enrique Vich von den Rechtsanwälten Wolf Theiss erhöhen die Programme auch die Sicherheit: Etwa hätten Unbefugte keinen Zugriff auf sensible Daten, da diese außer Haus gespeichert seien.

"Steigender" Verwaltungsaufwand

Andere verweisen auf die Nachteile des zentralistischen Modells: Es eigne sich für Arbeitsplätze, an denen Sachbearbeiter mit Standardanwendungen wiederkehrende Tätigkeiten verrichten. Bei komplexeren Tätigkeiten von Wissensarbeitern, die ihren eigene Anwendungen installieren möchten, steige der Verwaltungsaufwand aber enorm, schreibt das Fachmagazin "Computerwelt".