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Das Coco Pop des Anstoßes

Von Bernhard Baumgartner

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Normalerweise ist das Einzige, was im Cereal Killer Cafe in der Brick Lane im Osten Londons lärmt, das Geräusch, das beim Kauen von Rice Crispies, Frosties oder Coco Pops entsteht. Das Café hat sich auf Cereals von Cornflakes bis Porridge spezialisiert. Man wählt das Getreideprodukt, die Milch und noch Früchte oder ein Topping, und los geht der Spaß. Eine clevere Idee für den gestressten Hipster von heute, der sich auf dem Weg zur Arbeit (irgendwas mit Medien) was Gesundes genehmigen will.

Doch mit der Ruhe ist es vorbei. Am Samstagabend wurden das Café sowie weitere Geschäfte in der Brick Lane Opfer von wütenden Protesten gegen die Gentrifizierung des Londoner East Ends. Die abgewohnten Häuser werden saniert und neue, finanziell potente, Mieter ziehen ein. Die alten Bewohner müssen weichen, weil sie sich die Wohnungen nicht mehr leisten können. Im Londoner East End entladen sich die wütenden Proteste nun am Cereal Killer Cafe, das unverschuldet zum Symbol dieser Entwicklung geworden ist. Die Neu-East-Ender, die dort ihre Cereals für 3,50 Pfund pro Schüssel schlürfen, sollen den Volkszorn, der in diesem Fall mit dem Vokabular der rechtspopulistischen Ukip spricht, zu spüren bekommen. Diese Konflikte sind nicht neu - es gibt sie in vielen Großstädten von Berlin ("Schwaben-Hass") bis - etwas seltener - in Wien, wo man schon mal mit Hundertschaften von Polizisten die Fronten klärt. Veränderungen sind schmerzhaft, mancher Ärger verständlich. Dass er sich in London an ein paar Cornflakes mit Topping entzündet, ist fast schon wieder ein bisschen hip.