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Das Comeback der Interimsmanager

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Zu Recht Image als "Manager fürs Grobe"? | Weil viele Manager auf Stellensuche sind, droht der Branche eine Verwässerung. | Wien. Als "Krisenfeuerwehr" oder "Manager fürs Grobe" werden Interimsmanager oft bezeichnet. Tatsächlich werden aber nur zehn Prozent der Manager auf Zeit für eine Restrukturierung ins Unternehmen geholt, wie eine Umfrage des AIMP (Arbeitskreis Interim Management Provider) unter 14 Interimsmanagement-Vermittlern im deutschsprachigen Raum ergab.


Mehr als die Hälfte der Interimsmanager kommt hingegen für ein Projekt in den Betrieb oder um eine kurzfristig frei gewordene Stelle zu besetzen, etwa weil jemand überraschend gekündigt hat oder um die Babypause einer Mitarbeitern zu überbrücken. Der Rest der Interimsmanager wird beauftragt, den Geschäftsaufbau - etwa den Bau eines neuen Werkes - oder Veränderungen im Betrieb zu begleiten.

Ist das Image des harten Aufräumers, der den Managern auf Zeit anhaftet, falsch? "Interimsmanager dürfen keine Grobiane sein, sondern müssen ein Gespür für die Ängste der Mitarbeiter bei Veränderungen haben", sagt Maria Bühler, Geschäftsführerin des heimischen Interimsmanagement-Anbieters Bühler Management, der seit vier Jahren Manager auf Zeit vermittelt.

Führungskräfte zum Mieten müssen gut kommunizieren können, mobil sein und schnell effektiv arbeiten. Binnen 48 Stunden nach Anfrage werden dem Unternehmen drei bis fünf Kandidaten präsentiert, aus denen das Unternehmen wählen kann, sagt Harald Schönfeld, stellvertretender AIMP-Vorsitzender und Geschäftsführer des Schweizer Interimsmanagement-Anbieters Butterflymanager. Viele Manager reizt die Herausforderung: "Innerhalb von zwei bis drei Tagen müssen sie sich eingearbeitet haben", sagt Bühler.

In Österreich noch nicht sehr bekannt

"Interimsmanagement ist in Österreich noch wesentlich unbekannter als in Deutschland und der Schweiz", sagt Schönfeld. Auch eine Studie der Webster Vienna Privatuniversität kommt zum Ergebnis, dass die österreichische Interim-Management-Szene noch in den Kinderschuhen steckt, aber künftig zulegen wird. Bühler schätzt, dass es einige tausend Interimsmanager in Österreich gibt, von denen sich viele selbständig neue Auftraggeber suchen.

Nach einem Nachfrageeinbruch im Vorjahr werden heuer wieder mehr Interimsmanager gebraucht werden, erwartet die Branche. "Es kamen im Vorjahr zwar mehr Anfragen von Unternehmen, aber bei vielen Projekten wurde zugewartet", sagt Bühler. Nun ziehe die Nachfrage wieder an.

Das Umsatzminus von mehr als 20 Prozent auf ein geschätztes Marktvolumen von 1,25 Milliarden Euro in Deutschland kam für die Branche unerwartet: "In den vergangenen zehn Jahren haben wir immer zweistellige Wachstumsraten verzeichnet. In der Wirtschaftskrise haben aber viele Unternehmen Budgets gestrichen und laufende Projekte gestoppt", sagt Schönfeld.

Besonders die exportabhängigen Branchen - die bisherigen "Königsbranchen" des Interimsmanagement - haben ausgelassen. Anfragen kommen vor allem aus der Bau- und Bauzulieferindustrie, dem Bauhandel, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie dem Automotive-Bereich, sagt Bühler.

Arbeitslose auf Jobsuche oder Interimsmanager?

Das Angebot an Managern ist im Zuge der Wirtschaftskrise, in der viele Führungskräfte gekündigt wurden, gestiegen. Vermittler von Interimsmanagern fürchten nun eine Verwässerung ihrer Branche: "Es ist schwierig zu unterscheiden, ob jemand wirklich Interimsmanagement machen will oder aber ein arbeitsloser Manager ist, der Interimsmanagement als Sprungbrett für einen festen Job sieht", sagt Schönfeld. Das passiert aber nur selten: Laut der AIMP-Befragung wurden im Vorjahr nur fünf Prozent der Interimsmanager in eine feste Anstellung übernommen. Die Tendenz ist weiter fallend. Das Profil eines Interimsmanagers sieht vor, dass er bewusst diese Art der Arbeit gewählt hat - und nicht auf Karriere in einer Firma aus ist.

Dennoch: "Interimsmanager sind mehr als Lückenfüller", sagt Schönfeld. Für durchschnittlich sieben bis zwölf Monate bringen sie einen Blick von außen ins Unternehmen; der Auftraggeber profitiert von ihrer Analysefähigkeit und Führungserfahrung. Diese Eigenschaften sind Voraussetzung für Manager auf Zeit - deshalb sind bei Bühler Management 46 Prozent der Personen in der Kartei zwischen 45 und 55 Jahre alt.

Vor allem Klein- und Mittelbetriebe beauftragen Interimsmanager, weil Konzerne eher intern Stellen besetzen, wenn kurzfristig Not am Mann ist. Trotzdem haben viele Firmen Bedenken, dass Manager auf Zeit teuer sind. Nur auf den ersten Blick scheine ein Tageshonorar von durchschnittlich 900 Euro teuer, heißt es von den Vermittlern von Interimsmanagern. Man komme ungefähr auf die gleiche Summe, wenn eine Führungskraft angestellt wird. Gezahlt wird nur, solange der Interimsmanager gebraucht wird.

Außerdem müsse das Risiko der Interimsmanager als Selbständige inklusive jobloser Phasen einkalkuliert werden: Der AIMP-Befragung zufolge waren sie im Vorjahr im Schnitt 122 Tage pro Jahr beschäftigt, 18 Tage weniger als im Jahr zuvor.