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Das deutsche Glück der Vor-WM-Unform

Von Christian Mayr

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Die Deutschen sind auf dem besten Weg dazu, in Brasilien ein großes WM-Turnier zu spielen - obwohl sie aktuell von der spielerischen Hochform der vergangenen zwei Jahre ungefähr so weit entfernt sind wie der Zuckerhut von der Zugspitze. In der Tat offenbarte der letzte aussagekräftige Test gegen WM-Teilnehmer Kamerun am Sonntagabend nicht nur die manifest vorhandenen Schwächen in der Defensive, sondern zeigte auch so manche Einfallslosigkeit und Abschlussschwäche im zuletzt so unnachahmlich praktizierten Tempofußball nach vorne. Am Ende musste die Elf von Jogi Löw froh sein, gegen die unzähmbaren Löwen aus Afrika mit einem 2:2 und nicht mit einer Heimpleite in die Kabinen trotten zu dürfen. Die Zeiten, in denen unsere Nachbarn durch die WM-Qualifikation spaziert sind und in Freundschaftsspielen große Nationen regelrecht zerlegt haben, scheinen vorerst vorbei. Doch genau aus diesem Grund sollten die Brasiliens, Spaniens, Hollands und Italiens Angst haben, dass Deutschland erstmals seit 1996 wieder eine Trophäe stemmen wird. Denn eine WM gewinnt man bekanntlich nicht mit guten Ergebnissen in der Qualifikation oder gar in der Vorbereitung (das wissen auch die 1990 zum Geheimtipp hochstilisierten Österreicher), man gewinnt eine Endrunde auch nicht mit dem ersten oder zweiten Spiel, sondern logischerweise erst in den K.o.-Duellen und im Finale. Und da sind und bleiben die Deutschen die beste Turniermannschaft, die sich selbst mit Rumpelfußball unansehnlichster Sorte wie 2002 in ein Finale mogeln können, weil sie sich dann zu steigern vermögen, wenn andere nachlassen. Und so gesehen müssen sich Müller, Schweinsteiger und Co. eigentlich nur vor zwei Nationen fürchten: Italien und Brasilien - denn gegen beide gab’s noch nie einen Sieg bei einer Weltmeisterschaft.