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Das Dilemma mit dem Song-Contest

Von Bernhard Baumgartner

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Bei kaum einer Entscheidung kann der ORF so viel falsch machen wie bei der Frage, wer für Österreich zum Song Contest fährt. Bestimmt der ORF sozusagen ex cathedra selbst, wird ihm vorgeworfen, alles besser zu wissen, ja geradezu ein Mangel an demokratischer Gesinnung unterstellt. Unterwirft man die Frage hingegen einem Voting unter den Zuschauern, wählen diese mit sicherem Griff die größten Trantüten aus, die gerade greifbar sind. Ein kleines Beispiel erläutert das trefflich: Tom Neuwirth, alias Conchita Wurst, verlor die Vorausscheidung 2012 (knapp aber doch) gegen die prolligen Trackshittaz aus der Provinz, die dann auch prompt den letzten Platz einfuhren. Für die Teilnahme 2014 pfiff der ORF dann auf ein Voting, schickte Conchita zum Song Contest - und der Rest ist TV-Geschichte. Im Jahr darauf ließ man wieder das Publikum ran, dieses wählte zielsicher eine Retortencombo namens "Makemakes", die wiederum den letzten Platz mit null Punkten einfuhr. Jetzt also wieder mit ORF-Jury. Diese wählte mit Nathan Trent ein stromlinienförmiges Pop-Leichtgewicht ohne Ecken und Kanten, dafür mit gefälligem Äußeren. Ob das reicht, darf bezweifelt werden, gewinnen doch in der Regel jene Acts, die entweder eine Geschichte erzählen oder die aus politischen Gründen aller Art Bonuspunkte sammeln. Sicher, so tut der ORF niemandem weh und die Schelte wegen Mutlosigkeit wischt man locker weg. Vielleicht stecken die finanziellen Folgen nach dem Conchita-Erfolg den Verantwortlichen noch in den Knochen. Heuer geht man diesbezüglich auf Nummer sicher.