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Das Drama Immofinanz - und welche Rolle den Anlegern zugedacht ist

Von Hermann Sileitsch

Analysen

Tausende Kleinanleger, die große Teile ihres investierten Geldes verloren haben, werden es mit Interesse verfolgen: Die Staatsanwaltschaft führt Ermittlungen bei der Immofinanz, der Immoeast und der Constantia Privatbank durch. Also bei jenen Firmen, bei denen Karl Petrikovics noch bis vor kurzem unumschränkt regierte. | In der Causa Immofinanz und Immoeast gibt es viele Akteure in interessanten Rollen: Von jenen Beratern, die nicht nur vermeintlich sichere Investitionen (Immobilien!) anpriesen und die Anleger selbst dann noch beschworen, nur ja nicht zu verkaufen, als ihre Investments bereits meilenweit unter Wasser waren. (In Dantes "Göttlicher Komödie" schmoren die listigen Berater übrigens im achten Höllenkreis.)


Kritisch zu würdigen wäre auch die Rolle jener Medien, die Manager zu Stars hochjubeln und nach deren Entzauberung unversehens wieder zur Tagesordnung übergehen.

Arm dran ist das neue Management der Immofinanz und Immoeast, das nun gegen Sünden ankämpfen muss, die aus der Vergangenheit stammen.

Und nicht zuletzt ist es die Story vom steilen Aufstieg und Fall von Petrikovics, für den - wie für alle Beteiligten - auch diesfalls selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt.

Ebenfalls eine zentrale Rolle spielen jene, die Alarm geben hätten sollen. Aufsichtsrat, Börsevorschriften oder Finanzmarktaufsicht: Zum wiederholten Male haben alle Sicherheitsmechanismen, die fragwürdigen Aktionen einen Riegel vorschieben sollten, schlichtweg versagt. Wie könnte es sonst sein, dass mehr als eine halbe Milliarde Euro in einem Ringelspiel zwischen mehreren Firmen unauffindbar verschwindet?

Die Ereignisse und die Rollenverteilung würden einem klassischen Drama zur Ehre gereichen. Die aktuelle Razzia ist indes noch nicht der Schlussakt, aber möglicherweise die Peripetie - jener entscheidende Wendepunkt, der den zentralen Konflikt aufhellen könnte. Für die Anleger bleibt allerdings nur die Rolle des Klagechores übrig.

Der Ruf nach besserer Regulierung ertönt im Moment besonders oft: Brauchen wir eine strengere, personell besser besetzte und effizientere Aufsichtsbehörde? Natürlich brauchen wir diese. Das war allerdings schon die Idee der (mehrfach) reformierten Finanzmarktaufsicht.

Nur glaubt der Gesetzgeber offenbar selbst nicht so recht an die Effizienz seiner Aufsichtsbehörde. Wie sonst wäre es zu erklären, dass zeitgleich mit den Bankenhilfsaktionen flugs auch ein Passus ins Finanzmarktaufsichts-Gesetz eingefügt wurde, der eine Amtshaftung gegenüber Privatpersonen ausschließt? Auf dass der Klagechor nur ja nicht auf die Idee komme, aus seiner ihm zugedachten Rolle zu fallen und sich selbst zum Akteur aufschwingen zu wollen . . .