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Das ehrwürdige Gefäß

Von Hermann Schlösser

Kommentare

Wenn es um den Heiligen Gral geht, kann ein bisschen Ironie nicht schaden. So dachte sich zumindest Werner Boote, der seinem Film über das ehrwürdige Gefäß den Titel "Parsifal, Indiana Jones und Richard Wagner" gab (zu sehen am Pfingstmontag in ORF 2).

Boote wanderte durch die Wiener Staatsoper und fragte nach dem Gral, aber keiner wusste, wo er sein könnte. Nach langem Suchen zeigte er sich; in der neuen "Parsifal"-Inszenierung von Christine Mielitz ist er ein unscheinbarer Topf aus Ton. Die Regisseurin bezeichnete ihn als "Fetisch" oder bestenfalls als Symbol für "die Suche nach sich selbst".

Ein sehr viel prächtigeres Exemplar fand der Reporter in Spanien. Geführt vom deutschen Schriftsteller Michael Hesemann, der ein Buch über den Gral geschrieben hat, erhielt Boote Zutritt zum Kreis der "Ritterschaft des Heiligen Grals". Sie hütet hier eine monstranzähnliche Schale, die sie für den einzig wahren Gral hält.

Werner Boote ließ alle Deutungen kommentarlos nebeneinander stehen. Das war einerseits vernünftig, andererseits gingen dabei die Unterschiede zwischen Wagners deutscher Kunstreligion und dem streng katholischen Gralskult in Spanien verloren. Für Boote war Gral gleich Gral. Und was Indiana Jones mit Wagner und den spanischen Rittern verbindet, blieb ungeklärt. Der Gralssucher aus Hollywood wurde im Titel zwar zitiert, in der Sendung selbst kam er jedoch nur in zwei kurzen Andeutungen zur Sprache. Das war ein bisschen zu wenig.