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Das Ende der Gebrauchtwagen-tauglichen Politiker

Von Walter Hämmerle

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Einst galt: Wem die Bürger als Politiker auch einen Gebrauchtwagen abkaufen würden, der war vom Volk geadelt. Das war einmal.


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Wer seinen Glauben an die hiesige Politik und ihre führenden Repräsentanten noch nicht zur Gänze begraben hat, der sollte dieser Tage besser von den sogenannten sozialen Netzwerken und politiklastigen Internetforen Abstand halten. Das Ausmaß an Wut und Abneigung, gerne auch mit Verbalinjurien unterlegt, das hier dem "System" entgegenbrandet, ist, nun ja, bemerkenswert. Keine Spur mehr von jener Gemütlichkeit und Konsensgesellschaft, die wir doch ansonsten wie eine zweite Haut zu Markte tragen, wenn es um Vergleiche mit anderen Ländern geht.

So gesehen darf der erste Anlauf zur Rückgewinnung der politischen Glaubwürdigkeit getrost als großflächig gescheitert betrachtet werden. Das wäre dann aber schon auch zu leicht gewesen. Dass diese erste Zwischenbilanz ausgerechnet mit dem gestrigen 95. Jahrestag der Gründung der Republik zusammenfällt, ist natürlich Künstlerpech auf der Meta-Ebene.

Wobei: Wann immer man mit Politikern über deren miserables Image redet, verweisen diese umgehend auf die Rolle der Medien. Dabei spricht einiges dafür, dass die wahren Wutbürger in diesem Land eher nicht in Parks demonstrierend campieren, sondern in den Redaktionen die Meinungsartikel formulieren. Bleibt die Frage, was ursächlich verantwortlich für den Frust der Bürger ist: die schlechte Politik oder deren beständige Geringschätzung durch einen beachtlichen Teil der Medienlandschaft.

Die wachsende Antipathie zwischen Politikern und Medien ist umso bemerkenswerter, als Österreich eigentlich als Land gilt, in dem die beiden Sphären eine enge Symbiose pflegen. Wer da wen in der Hand hat - die Politiker ein Medium oder umgekehrt -, ist vom Einzelfall abhängig, die geringe Trennschärfe zwischen der ersten und zweiten sowie der angeblich vierten Gewalt im Staat hat allerdings nicht dazu geführt, dass der beiderseitige Respekt voreinander aufrechterhalten wurde. Grob vereinfacht lässt sich das Verhältnis so zusammenfassen: Die Medienleute halten Politiker fast ausnahmslos für inkompetent und hochgradig korruptionsanfällig, im Gegenzug mangelt es in der Medienbranche in den Augen der Politik in weiten Teilen an Unabhängigkeit; unnötig zu sagen, dass nicht wenige Politiker etliche Journalisten darüber hinaus natürlich auch für unfähig erachten, was Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger kürzlich zu dem schönen Satz im Magazin "Datum" verleitete: "So viele Deppen wie in den Medien gibt es in der Politik nicht."

Möglich, wetten möchte man aber nicht darauf.

Zumal man erst einmal eine Berufsgruppe finden muss, die offensive Selbstbeschädigung in einem vergleichbaren Ausmaß begünstigt - und mitunter auch noch belohnt. Der Vorwurf, im Angesicht der Bürger die Unwahrheit gesagt zu haben, zählt schließlich noch zu den gelinderen Vorhaltungen in diesen Kreisen, die gerne um Gesetzesbruch und Korruption erweitert werden. Misswirtschaft gehört ohnehin zum Generalverdacht jeder Opposition.

Wer solche Kollegen hat, braucht keine Gegner mehr.