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Das Ende der Sozialpartnerschaft?

Von Helmut Dité

Analysen

Seit 40 Jahren hat jeden Herbst die gemeinsame Lohnrunde der Metaller die Richtung auch für die Kollektivvertragsverhandlungen aller anderen Branchen vorgegeben: Haben die Metaller hoch abgeschlossen, konnten hierzulande auch die meisten anderen Lohn- und Gehaltsempfänger bald mehr Geld auf dem Konto erwarten. Jetzt steht der "Leuchtturm" der österreichischen Sozialpartnerschaft offenbar vor dem Abriss.

Nach dem schon im Frühjahr erfolgten Absprung des mit 120.000 Beschäftigten größten Fachverbandes Maschinen & Metallwarenindustrie (FMMI) wollen nun auch die Gießereien und die anderen vier Fachverbände - Bergwerke und Stahl, Fahrzeugindustrie, NE-Metallindustrie sowie die Gas- und Wärmeversorger - nicht mehr länger im Verbund mit der Metall- und Privatangestelltengewerkschaft (PRO-GE) verhandeln, sondern getrennt.

Bei den Gewerkschaftern macht sich vorerst Schreckstarre breit. Sie haben großes Interesse daran, Konzerne mit hohem gewerkschaftlichen Organisationsgrad wie Voestalpine oder das General-Motors-Werk in Wien-Aspern mit kleineren Metallverarbeitern oder Gießereien im Verbund zu halten - und, ja, auch Frank Stronachs Magna-Betriebe. Man werde alles daransetzen, damit es auch künftig gemeinsame KV-Verhandlungen gibt, ließ die PRO-GE deshalb ausrichten. Falls dies nicht gelinge, würden sich die Gewerkschaften "auf alle kommenden Dinge vorbereiten und zum richtigen Zeitpunkt sagen, welche Maßnahmen wir setzen werden". So weit, so schwammig. Hinter vorgehaltener Hand wittern die Gewerkschafter eine Retourkutsche der Arbeitgeber für den hohen Lohnabschluss vom Vorjahr. Jedenfalls gehe es den Arbeitgebern aber eindeutig darum, die Verhandlungsposition der Gewerkschaften zu schwächen, um künftig generell geringere Lohnabschlüsse zu erreichen, meinen sie.

Stimmt nicht, sagt der neue FMMI-Obmann Christian Knill: "Wir stehen voll und ganz zur Sozialpartnerschaft. Wir haben die Gewerkschaft zu Gesprächen eingeladen, wir sind jederzeit zu Verhandlungen bereit." Aber die Branche sei einfach zu inhomogen aufgestellt, mit sehr unterschiedlicher Dynamik und Lohntangente. Sein Fachverband etwa bestehe zu fast 80 Prozent aus Klein- und Mittelbetrieben mit durchschnittlich rund 100 Beschäftigten - wie das gleichnamige steirische Familienunternehmen, das Knill selbst führt.

Getrennte Verhandlungen seien wirtschaftlich sinnvoll und notwendig. Das habe sich bei der Elektro- und Elektronikindustrie, die schon vor fast zehn Jahren ausgezogen sei, bewährt - und auch nicht das Ende der Sozialpartnerschaft bedeutet.