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Das Ende der Standesdünkel

Von Brigitte Pechar

Politik

Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.


Wien. Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat sich zu Beginn ihrer Amtszeit drei sehr hohe Ziele gesteckt: die Einführung der gemeinsamen Schule für alle 10- bis 14-Jährigen (das ist mit der Einführung der Neuen Mittelschule nur teilweise gelungen), ein neues Lehrer-Dienstrecht (da ziehen sich die Verhandlungen wahrscheinlich noch über diese Legislaturperiode hinaus) und die Schaffung einer neuen Lehrerausbildung. Dieses "Jahrhundertprojekt", wie Schmied es im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" einmal bezeichnete, findet am Dienstag seinen vorläufigen Abschluss. Der Ministerrat wird die neue Pädagogenausbildung beschließen, und der Nationalrat wird dieser noch vor der Sommerpause zustimmen. Die Studiengänge werden realistischerweise frühestens 2015/16 beginnen.

Schon seit 2009 arbeitet die Unterrichtsministerin, in Abstimmung mit den jeweiligen Wissenschaftsministern, an der Umsetzung dieses Monsterprojekts. Die Ziele waren: bessere Qualität, mehr Durchlässigkeit zwischen den Schultypen und eine einheitliche Grundqualifikation für alle Lehrer. Eine modulare Ausbildung soll die Mobilität der Lehrer zwischen den Schultypen erhöhen und gleichzeitig die Beseitigung der Standesdünkel innerhalb der Pädagogen beseitigen.

Beibehaltung von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten, höhere Kosten: So lautete ein Teil der Kritik am Gesetzesentwurf. Am Montag zeigten sich auch die Kindergarten- und Hortpädagogen verärgert darüber, dass die Elementarpädagogik neuerlich nicht in den Entwurf einbezogen wurde.

Andreas Schnider hat die Entwicklung des Gesetzesentwurfs begleitet und kann mit dieser Kritik wenig anfangen. Die neue Lehrerausbildung sei "ein Meilenstein" und erfülle genau die Vorgaben: "Den Jungen eine qualitativ hochwertige und durchlässige Ausbildung zu ermöglichen", sagte Schnider zur "Wiener Zeitung".

Schnider: "Ordentliche Akademisierung der Lehrer"

Es finde eine "ordentliche Akademisierung der Lehrer statt und die Beibehaltung von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten sei "der sinnvollste Weg" gewesen. Es bestehe eine Kooperationsverpflichtung zwischen den beiden Institutionen, wo jede ihre Potenziale einbringen soll, sich aber nicht zurücklehnen könne.

Grundpfeiler der neuen Ausbildung sind: vier Jahre Ausbildung mit Bachelor-Abschluss, drei- bis dreieinhalbjähriges Masterstudium und einjährige Induktionsphase an den Schulen mit Mentorbegleitung. Das muss künftig jeder Pädagoge vorweisen. Ohne Masterabschluss gibt es keine Anstellung als Lehrer.

Ein pädagogischer Kernstock soll von allen Lehrern gleichermaßen belegt werden. Unterschiede in der Ausbildung gibt es nicht nach Schulart, sondern nach Alter der Kinder. So müssen Lehrer der Sekundarstufe (10- bis 19-Jährige) neben der pädagogischen Ausbildung zwei Fächer belegen oder ein Fach und einen Schwerpunkt (wie inklusive Pädagogik, Berufsorientierung) wählen.

Damit werden - jedenfalls nach außen hin - alle Lehrer gleichgestellt. Derzeit werden Volks- und Pflichtschullehrer an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet, AHS-Lehrer aber an Universitäten. Daraus haben sich unterschiedliche Bezahlung und damit auch Hierarchien ergeben. Die Debatte, ob AHS-Lehrer an Neue Mittelschulen wechseln können, hält Schnider daher für völlig sinnentleert. Denn es bestünde dann kein Unterschied mehr in der Ausbildung. Derzeit würde die AHS-Lehrergewerkschaft verhindern, dass deren Pädagogen an Neue Mittelschulen wechseln. Solche Dünkel sollte es dann nicht mehr geben.

Ausbildung nach Alter der Kinder, nicht nach Schultyp

Nicht herbeiführen könne die gemeinsame Lehrerausbildung aber eine Gesamtschule. Das müsste im Schulorganisationsgesetz geregelt werden. Er sei aber froh, dass die neue Ausbildung sich nicht an den Schultypen, sondern am Alter der Kinder orientiere. "Das ist internationaler Standard, den wir jetzt auch bei uns einführen", betonte Schnider.

Nicht gelten lassen will der Bildungsexperte auch die Kritik daran, dass Kindergartenpädagoginnen nicht berücksichtigt seien. Sowohl im Uni-Gesetz als auch im PH-Gesetz sei die Elementarpädagogik berücksichtigt. Allerdings könne die Bezahlung nicht im Hochschulgesetz festgeschrieben werden. Das sei Sache der Länder, die für die Bezahlung der Elementarpädagogen aufkommen müssen. Und es gibt noch einen Grund, warum von Elementarpädagogen derzeit weder Bachelor noch Master gefordert würden. "Es gibt nur einen Lehrstuhl dafür, nämlich in Graz", so Schnider. Demnächst soll ein zweiter entstehen: Die PH Vorarlberg in Feldkirch und die Uni Innsbruck wollen sich einen teilen.