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Das Ende einer Dynastie

Von Rainer Mayerhofer

Politik

47 Jahre Wirken im US-Senat. | Pfeiler der Liberalen in der Demokratischen Partei. | Wien. Nach der Ermordung seiner beiden Brüder, des 35. US-Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963 und des Präsidentschaftsanwärters Robert Kennedy im Vorwahlkampf 1968, galt Edward "Teddy" Kennedy als der Dritte seiner Familie, dem gute Chancen eingeräumt wurden, ins Weiße Haus einzuziehen.


Ein tragischer Unfall auf der Brücke von Chappaquiddick am 18. Juli 1969, bei dem seine Sekretärin Mary Jo Kopechne ertrank, bedeuteten einen Einschnitt in der politischen Laufbahn, der nicht mehr auszubügeln war, auch nicht 1980, als er parteiintern gegen den schwächelnden Präsidenten Jimmy Carter antrat. Damals hielt er eine seiner bemerkenswertesten Reden, die mit den Worten "Der Traum wird niemals sterben" endete. Die Delegierten spendeten danach 30 Minuten lang Applaus.

Als letztes von neun Kindern von Joseph und Rose Fitzgerald Kennedy am 22. Februar 1932 in Brookline/Massachusetts geboren, schien Edward Kennedy die politische Laufbahn in die Wiege gelegt. Der Großvater mütterlicherseits war Bürgermeister von Boston, jener väterlicherseits Abgeordneter in beiden Häusern von Massachusetts.

Sein Vater Joseph, der Millionen in der Immobilien-, Banken- und Filmbranche, aber auch durch Alkoholschmuggel während der Prohibition verdient hatte, wurde 1938 Botschafter in London.

In Harvard beim Schummeln erwischt

Teddy Kennedy inskribierte nach seiner Schulzeit in Harvard, wo er gleich im ersten Semester hinausgeschmissen wurde, als er einen Studienkollegen an seiner statt zu einer Spanischprüfung schickte und erwischt wurde. Nach dem in Europa absolvierten Militärdienst durfte er aber ab 1953 wieder in Harvard studieren, wo er 1958 in Geschichte promovierte. 1959 beendete er an der Universität von Virginia ein Jus-Studium.

1958 stieg er bereits in die Politarena, als er den Wahlkampf seines Bruders John für den Wiedereinzug in den Senat leitete, so wie zwei Jahre später den Präsidentschaftswahlkampf in 13 Bundesstaaten.

1962, als er das erforderliche Alter von 30 Jahren erreicht hatte, kandidierte er für den Senatssitz, den nach den Einzug John F. Kennedys ins Weiße Haus dessen Studienkollege Benjamin Smith zwischenzeitlich besetzt hatte. Teddy Kennedy machte seine frühen Harvard-Probleme selbst öffentlich, bevor man ihm daraus einen Strick drehen konnte, und er setzte sich gegen Angriffe, er sei für den Senatsposten nicht vorbereitet, entschieden zur Wehr.

Nachdem er die erste Wahl mit klarem Vorsprung gewonnen hatte, wurde er achtmal wiedergewählt und ist der US-Senator mit der drittlängsten Amtszeit. Dabei wäre er im seinem zweiten Wahlkampf am 19. Juni 1964 beinahe einem Flugzeugabsturz zum Opfer gefallen.

Als Senator waren ihm Gesetzesvorlagen für die Armen und Benachteiligten ein lebenslanges Anliegen. Er setzte in seiner demokratischen Partei Standards für die Gesundheitsversorgung, im Schulwesen, bei den Bürgerrechten und im Arbeitsrecht. In Zeiten, wo die Bezeichnung "liberal" als politisch abwertend gebraucht wurde, hat der von seiner Mutter Rose in seiner Grundhaltung geprägte Katholik das Banner des Liberalismus in seiner Partei hochgehalten und auch bei politischen Gegnern stets Respekt geerntet.

Kennedy setzte sich nicht zuletzt mit seinem republikanischen Amtskollegen John McCain für ein liberales Immigrationsrecht ein.

Schon früh wurde er zum Gegner der Vietnamkrieges, der in der Amtszeit seines Bruders John F. Kennedy begonnen hatte, und er war von Anfang an ein entschiedener Gegner des Irakkrieges. Seine Stimme gegen den Einsatz militärischer Gewalt im Irak bei der Senatsabstimmung im Jahr 2002 bezeichnete er als seine Entscheidung, auf die er am stolzesten sei.

Nach der Ermordung seines Bruders Robert im Juni 1968 wurde Teddy Kennedy zu einer eigenen Präsidentschaftskandidatur gedrängt, er fühlte sich aber dazu noch nicht bereit.

1969 wurde er demokratischer Mehrheitsführer im Senat, eine Stelle, die er nach dem Unfall von Chappaquiddick wieder verlor. Später wurde er Vorsitzender in wichtigen Senatsaussschüssen für Justiz, Arbeit und Gesundheit.

Einsatz für Kandidatur Barack Obamas

Im Jänner 2008 setzte er sich für die Wahl von Barack Obama zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei ein. Einige Monate später wurde bei ihm ein Kopftumor diagnostiziert.

Kennedys Privatleben wurde von mehreren Tragödien überschattet. Seinem Sohn Edward musste 1973 wegen einer Krebserkrankung ein Bein amputiert werden. Die erste Ehe mit seiner Frau Joan, die alkoholkrank war, wurde 1982 geschieden. Kennedy heiratete 1992 seine zweite Frau Victoria.

Siehe auch:Die Kennedys - Triumphe und Tragödien