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Das erste Sonnensystem, das unserem ähnlich ist

Von Eva Stanzl

Wissen
Die innerersten Planeten liegen näher zum Stern KOI-351 als Merkur zu unserer Sonne.
© DLR

Leben schwer möglich, doch es muss viele große Planetensysteme im All geben.


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Berlin/Wien. Astronomen haben erstmals ein Sonnensystem entdeckt, das unserem ähnlich ist. Es zählt mehr Planeten als alle bisher entdeckten Sonnensysteme und befindet sich in unserer galaktischen Nachbarschaft.

Den rund 2500 Lichtjahre entfernten Stern KOI-351 umkreisen sieben Planeten, von denen drei bereits bekannt waren und vier nun neu entdeckt wurden. Sie sind ähnlich angeordnet wie die acht Planeten unseres Sonnensystems: Kleine Gesteinsplaneten von in etwa der Größe der Erde kreisen in der Nähe des Zentralgestirns, riesige Gasplaneten, ähnlich Jupiter und Saturn, in größerer Entfernung. Die Himmelskörper sind allerdings wesentlich dichter um ihren Stern gedrängt.

Suche nach dem "Zwilling"

"Es ist ein großer Schritt auf der Suche nach einem ,Zwilling‘ zu unserem Sonnensystem und damit auch auf der Suche nach einer zweiten Erde. Kein anderes Planetensystem zeigt eine solche Übereinstimmung mit der ,Architektur‘ unserer kosmischen Heimat wie dieses System um KOI-351", betont Studienleiter Juan Cabrera vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

KOI ist die Abkürzung für "Kepler Object of Interest". Von 2008 bis heuer hat das Weltraumteleskop "Kepler" der US-Weltraumbehörde Nasa die Milchstraße nach erdähnlichen Planeten abgesucht und 1000 extrasolare Planeten entdeckt, 461 davon so groß wie die Erde und 50 davon in den bewohnbaren Zonen ihrer Heimatsterne. Aufgrund von Funktionsstörungen musste Kepler jedoch im August seine Dienste einstellen. Das Teleskop maß vom All aus die Helligkeitsschwankungen vor 150.000 Sternen, die entstehen, wenn Planenten an ihnen vorbeiziehen.

Die meisten bisher entdeckten Exoplaneten sind Einzelgänger, denn große Planetensysteme gelten als besonders schwer zu finden. "Man muss genau in der Bahnebene schauen, um den Transit mehrerer Planeten vor ihrer Sonne zu sehen", sagt Rudolf Dvorak von der Universitätssternwarte Wien, der an der im "Astrophysical Journal" veröffentlichten Entdeckung mitwirkt.

Dvorak hält es für unwahrscheinlich, dass KOI-351 Leben, wie wir es kennen, beherbergt. "Im System KOI-351 gibt es nur einen Planeten, der im selben Abstand seine Sonne umkreist wie die Erde, aber der ist gasförmig. Das System ist wesentlich kompakter als unseres, sein innerster Planet umkreist den Stern in sieben, der zweite in neun Tagen. Auf der Oberfläche dieser Gesteinsplaneten, die viel näher zu ihrer Sonne liegen als Merkur zu unserer, wäre es zu heiß, als dass es Wasser geben könnte", erklärt er. "Menschen könnten wir nur finden, wenn der äußerste Gasplanet einen Mond hätte." Dennoch sei die Arbeit ein Meilenstein. "Die Tatsache, dass wir ein System nachweisen konnten, das unserem ähnlich ist, legt die Vermutung nahe, dass es in unserer Galaxie mit 100.000 Lichtjahren Durchmesser viele solche Systeme gibt", betont Dvorak. Statistische Berechnungen nennen für die Milchstraße 200 Milliarden Sonnen und das Universum hunderte Milliarden Galaxien. Die Annahme, dass eines der größeren Sonnensysteme Leben beherbergt, scheint nur naheliegend.