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Das fette Geschäft mit dem Übergepäck

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft

Fluglinien können die Preise beliebig festsetzen. | Kostenfalle bei Billigfliegern. | Sportgeräte als Frachtgut versenden. | Wien. Wer für den Sommerurlaub viel Gepäck dabei hat, kann am Flugschalter eine böse Überraschung erleben und zur Kasse gebeten werden.


Die Regelungen, wie viel Gepäck man kostenlos im Flieger mitnehmen darf, sind von Fluglinie zu Fluglinie unterschiedlich, was bei vielen Reisenden Verwirrung stiftet. "Wir können die Preise für Gepäck selber festsetzten", erklärt der Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. Von der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung IATA gebe es zwar eine Empfehlung über Freigepäck, diese sei jedoch nicht bindend.

Bei den großen Fluglinien wie etwa Lufthansa oder Austrian Airlines (AUA) dürfen in der Economy-Class 20 Kilogramm und in der Business-Class 30 Kilogramm kostenlos mitgenommen werden. Sonderregelungen gibt es bei Flügen in die USA, nach Mexiko und Kanada. Da richtet sich das Freigepäck nach der Zahl der Koffer. Wer Economy fliegt, darf zwei Gepäckstücke mit je 23 Kilogramm mitnehmen, in der Business-Class darf jedes der zwei Gepäckstücke maximal 32 Kilogramm wiegen. Bei Vielfliegern darf der Koffer sowohl bei AUA- als auch bei Lufthansa-Flügen etwas mehr wiegen.

Thailand am teuersten

Die Preise für Übergepäck orientieren sich bei der AUA und der Lufthansa am Flugziel und reichen von fünf Euro pro zusätzlichem Kilogramm (AUA-Flüge innerhalb Österreich) bis zu satten 40 Euro pro Kilogramm Übergepäck. Diesen Preis müssen AUA-Passagiere zum Beispiel bei Flügen nach Thailand oder Vietnam zahlen, wenn sie zu viel Gepäck im Schlepptau haben.

Bei der AUA und der Lufthansa ist es allerdings erlaubt, dass Passagiere, die gemeinsam gebucht haben, ihre Freigepäcksgrenzen zusammenlegen. Wenn also ein Economy-Fluggast weniger als die erlaubten 20 Kilogramm Freigepäck mit hat und sein Reisebegleiter dafür mehr, können sie unter Umständen der Übergepäcksgebühr entgehen.

Bei den Billigfliegern Ryanair und Sky Europe ist das nicht möglich. Bei Ryanair muss man darüber hinaus pro Gepäckstück und nicht erst für das Übergepäck zahlen. Laut einer Sprecherin der irischen Fluggesellschaft fallen pro Koffer für eine Strecke fünfzehn Euro inklusive einer Check-in-Gebühr an. Für einen Hin- und Retourflug - egal wohin - muss ein Fluggast also 30 Euro hinblättern. Wer sein Ticket erst am Flughafen oder in einer Ryanair-Buchungszentrale bezahlt, für den wird es noch teurer.

Wenn der Koffer mehr als 15 Kilogramm wiegt, muss man außerdem eine Gebühr für Übergepäck zahlen. Diese macht 15 Euro pro Kilogramm aus - egal, wohin der Flug geht. Der ursprüngliche Schnäppchen-Preis für den Flug kann somit rasant in die Höhe schnellen. Kostenlos ist bei Ryanair lediglich der Transport von Handgepäck bis zu zehn Kilogramm.

Kerosin-Preis als Treiber

Die Reiserechts-Expertin Jutta Repl von der Arbeiterkammer Wien bemerkt einen Trend in Richtung einer extra Gepäck-Verrechnung unabhängig von dessen Gewicht. "Billigflieger verlangen tendenziell auch für normales Gepäck etwas", sagt sie zur "Wiener Zeitung". Aufgrund des steigenden Kerosin-Preises geht sie davon aus, dass auch andere Fluglinien früher oder später einen ähnlichen Weg einschlagen werden.

Bei der AUA wird "aus heutiger Sicht" jedenfalls keine Änderung der Übergepäckspreise angedacht, versichert AUA-Sprecher Michael Braun. "Wir legen großen Wert auf Transparenz der Ticketpreise und lehnen bei anderen Airlines möglicherweise vorkommende untergemogelte Quersubventionierungen strikt ab", so Braun. Schließlich würde die Aufzahlung für Gepäck in Wahrheit das Flugticket für den Reisenden subventionieren.

Das Golfbag fliegt gratis

Unterschiedlich behandeln die Fluglinien auch den Transport von Sportgeräten wie etwa Golfbags oder Surfbretter. Bei Air Berlin und Fly Niki können etwa neben dem normalen Freigepäck eine Golftasche oder ein Tauchgepäck bis zu 30 Kilogramm gratis mitgenommen werden, die AUA und Lufthansa verrechnen dafür in der Regel extra Gebühren. Diese richten sich nach der Größe des Sportgeräts sowie nach der Flugstrecke und bewegen sich zwischen 20 und 160 Euro.

Wer mit Sondergepäck reist, muss sich in Vorhinein mit der Fluggesellschaft in Verbindung setzen.

Die Lufthansa weist allerdings darauf hin, dass in manchen Fällen der Versand eines solchen Sondergepäcks als Frachtgut billiger kommen kann als der Transport als Reisegepäck.

* Informationen zu den

Gepäcksbestimmungen sämtlicher Fluggesellschaften unter

www.oeamtc.at/reise/fliegen *