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Das Gefühl, "zu Hause" zu sein

Von Brigitte Suchan

Wissen

Wer die Schrecken des Holocaust überlebte, hatte nach 1945 mit neuen Problemen zu kämpfen. Gesundheitlich angeschlagen, traumatisiert und verarmt - so kamen Überlebende in ihre einstigen Heimatgemeinden zurück. In Wien hat sich die Israelitische Kultusgemeinde Ende der 80er Jahre mit einem Konzept für ein psychosoziales Zentrum all jener jüdischen Mitbürger angenommen, die der Hilfe bedurften.


Das psychosoziale Zentrum ESRA - Hebräisch für "Hilfe"¨- in der Tempelgasse im zweiten Bezirk entstand 1994 aus dem Zusammenwirken der Sozialabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und der Stadt Wien. Es bietet medizinische, therapeutische und sozialarbeiterische Versorgung für Opfer der Shoah und deren Angehörige. Außerdem gibt es eine Ambulanz für Spätfolgen und Erkrankungen des Holocaust- und Migrations-Syndroms. Das dem Zentrum ESRA angeschlossene Kommunikationszentrum versteht sich als Ort, wo "Menschen aus vielfältigen kulturellen und ethnischen Gruppen zusammentreffen können um jeden Tag ein paar angenehme Stunden miteinander zu verbringen." Geboten werden u.a. ein koscherer Mittagstisch (Montag bis Freitag), ein Caféhaus (Dienstag und Donnerstag), eine Kleiderkammer (secondhand Kleiderausgabe) sowie kulturelle Veranstaltungen (wie Ausstellungen oder Konzerte) und Fortbildungen. Die Angebote der Sozialberatung/Sozialabteilung sind unentgeltlich; für Mittagstisch und Caféhaus werden kleine Unkostenbeiträge eingehoben.

Diese Kombination von sozialer und medizinischer Betreuung sowie Gelegenheiten zur Freizeitgestaltung bringt für die Klienten den Vorteil "kurzer Wege" und ermöglicht gleichzeitig eine vielseitige und unbürokratische Betreuung mit sich ergänzenden interdisziplinären Methoden.

Eine weitere Institution zur Altenpflege des IKG ist das Sanatorium Maimonides Zentrum im 19. Bezirk. Das Maimonides Zentrum vereint viele Funktionen unter einem Dach: Es gibt eine Tagesstätte, ein Elternheim, ein Pflegewohnheim sowie zwei Bettenstationen. Im Maimonides Zentrum soll den Bewohnern vor allem das Gefühl vermittelt werden, "zu Hause zu sein".

In der Anne Kohn-Feuermann-Tagesstätte des Witwen- und Waisenvereins im Sanatorium Maimonides-Zentrum können Senioren mehrmals wöchentlich den Tag verbringen. Besucher, die keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen können, werden mit einem Kleinbus abgeholt. Geboten werden neben koscheren Mahlzeiten auch die Möglichkeit Kontakte zu schließen, gemeinsame Freizeitgestaltung, Seniorengymnastik, Gedächtnistraining, Diskussionsrunden.

ESRA: Tempelgasse 5, 1020 Wien, Tel: 1/214 90 14; E-Mail: office@esra.at; Sanatorium Maimonides-Zentrum: Bauernfeldgasse 4, 1190 Wien, Tel: 1/368 16 55 - 0