Zum Hauptinhalt springen

Das Geheimnis des "starken Euro"

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft
© © M. Hirsch

Euro zum US-Dollar stabil, zu Handelspartnern 10 Prozent schwächer.


Wien.Es ist schon verblüffend: Da geraten Italien und Spanien an den Rand des Kollaps und werden Schreckensszenarien wie das Auseinanderbrechen der Währungsunion an die Wand gemalt.

Trotzdem scheint der Wechselkurs des Euro davon weitgehend unbeeinflusst: Je nach Meldungslage bewegt sich der Euro seit Monaten in einem Preisband von etwa 1,35 bis 1,45 Dollar. Das ist fernab der Ausschläge, die es früher gegeben hatte. Zum Vergleich: Mitte 2008 war der Euro schon auf 1,6 Dollar gestiegen. Er war aber auch bereits auf 0,80 Dollar gefallen (Ende 2000).

Wie lässt sich die Eurostärke erklären? Einen der Gründe betont Österreichs Nationalbankchef Ewald Nowotny bei jeder Gelegenheit: Es handle sich aktuell um keine Krise der Währung, sondern um Probleme einzelner Euroländer mit zu hohen Schulden.

Ein anderer Grund liegt darin begründet, dass meist nur der US-Dollar als Vergleichsmaßstab gewählt wird. Dieser ist zwar die wichtigste Währung, steckt aber selbst in Schwierigkeiten. "Die USA sind in derselben Bredouille wie die Eurozone", sagt Wifo-Experte Thomas Url. Während die EZB ihre Bilanzsumme infolge der Krise verdoppelt hat, hat die US-Notenbank ihre sogar verdreifacht. Die US-Staatsschulden sind höher als der Durchschnitt der Eurozone - und der US-Defizitpfad ist noch dramatischer.

Euro und Dollar liefern sich also einen Wettlauf um die schwächere Währung. Das zeigt der Vergleich mit dem Schweizer Franken - hier weist der Euro einen Wertverlust von fast 20 Prozent seit Oktober 2009 (ungefähr dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise) auf. Auch dieses Bild ist allerdings verzerrt, weil die Schweizer Notenbank den Kurs seit Anfang September bei einer Untergrenze von 1,20 zum Euro stabilisiert. Somit ist es schwierig, einen objektiven Maßstab zu finden. Dieser könnte ein Währungskorb der größten Handelspartner des Euroraums sein, sagt Url: Verglichen damit hat der Euro seit Oktober 2009 um rund 10 Prozent abgewertet. Das ist nicht dramatisch, aber doch deutlich.