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Das Geheimnis einer spannenden Präsentation

Von Eva Mandl

Wirtschaft

Woran liegt es, dass manche Vortragende es schaffen, ihre Zuhörer zu fesseln, mitzureißen und zu überzeugen? Und zwar unabhängig von der Dauer ihrer Präsentation. "Der Mensch kann stundenlang zuhören, vorausgesetzt, Sie reden von ihm, von seinen Heldentaten, seinen Möglichkeiten, seinen Problemen, seiner Vergangenheit und seiner Zukunft", erklärt Christoph Rosenberger, Präsentationsprofi und Unternehmensberater im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


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Wie lange ist es her, dass Sie eine Präsentation beeindruckt hat? Wann waren Sie zuletzt bei einem Vortrag zwar körperlich anwesend, in Gedanken jedoch ganz woanders? War es eine frontal abgespulte vollautomatisierte Powerpoint-Präsentation, die Sie langweilte? Oder wurden Sie ertränkt im Datenmeer eines verbalen Autisten, der redete, ohne auf seine Zuhörer einzugehen?

Nutzen für die Zuhörer oder falsch verstandene Vollständigkeit? Reflektierte Klarheit oder bloß unaufbereiteter Datenmüll? Wirkungsabsicht oder eitle Egozentrik?

Einen Vortrag richtig aufbauen, effektiv visualisieren, frei reden, ohne abzulesen - das sind die Grundlagen, doch zudem ist Präsentationsprofi Rosenberger vor allem eines ausschlaggebend: zu wissen, wofür sich der Mensch interessiert. "Menschen interessieren sich in erster Linie für sich selbst" und nicht für die Präsentation. Ein guter Vortrag geht auf die Vorstellungen und den konkreten Nutzen des Publikums ein. Wie setzt man das in der Praxis um? "Ganz einfach" sagt Rosenberger, "indem sich der Vortragende die Bedeutung seiner Aussagen für seine Zuhörer überlegt und zum Beispiel nicht vom Ziel, sondern von Ihrem Ziel spricht". Langweilige Projektpräsentationen sind verschenkte Wirkungsmöglichkeiten und stehlen den Zuhörern die Zeit.

Wie fängt man am besten an?

An den Anfang einer Präsentation gehört eine Frage. Fragen wecken Neugierde und reißen dahindämmernde Zuhörer aus ihrem Halbschlaf. Doch die richtige Anfangsfrage zu finden, ist meist der schwierigste Teil der Vorbereitung. Rosenberger empfiehlt daher folgende Überlegung: "Sie brauchen sich nur daran zu erinnern, was Ihre Hörer am meisten interessiert. Lassen Sie sich deshalb Fragen einfallen, die Ihre Zuhörer selbst betreffen, und sie werden an Ihren Lippen hängen!" Erfolgreiche Präsentationen brauchen ausreichend Vorbereitungszeit. Steht einmal die Ausgangsfrage fest, ist der Schluss keine Hexerei: er ist die Antwort auf die anfangs gestellte Frage. Ein guter Gliederungsweg kann mehr für den Erfolg einer Präsentation bewirken als schönste Hochglanzfolien oder der teuerste Beamer. Nicht dem Vortragenden soll sein Vortrag gefallen, sondern seinen Zuhörern. Ziel ist nicht zu zeigen, wie toll der Präsentierende sein Projekt findet, sondern welchen Nutzen es seinen Zuhörern bringt. "Kopf-Kino" wirkt. Letztlich ist egal, auf welche Weise Bilder in den Köpfen der Zuhörer erzeugt werden, Hauptsache, sie entstehen. Visualisierung, Anschauungsmittel und Modelle helfen dabei. "Präsentieren hat mit Schauspielerei zu tun. Dabei kann ruhig übertrieben werden", sagt Rosenberger. Wer zu einer Präsentation geht, geht ins Theater. Anfang und Ende sollten auswendig gelernt werden. "Der auswendig gelernte Schluss ist wie für die Maus das Loch, wenn Gefahr in Verzug ist."

Tipps .....

. . . für die spannende Präsentation:

Das Publikum begrüßen, sich kurz vorstellen und in wenigen Sätzen das Ziel der Präsentation erklären,

- von den Zuhörern, ihren Taten und ihren Problemen reden,

- die Präsentation in übersichtliche Abschnitte gliedern,

- Muster, Anschauungsmittel, Modelle verwenden,

- Aufmerksamkeit durch Blickkontakt und Fragen erhöhen,

- frei, laut und deutlich reden,

- den Raum nutzen und öfter den Standort wechseln,

- starkes Fazit am Ende auswendig lernen.

. . . für die miserable Präsentation:

- nur von sich sprechen, sich in den Mittelpunkt stellen,

- kompliziert geschriebenen Text verfassen und ablesen,

- hinter der Präsentationsfläche verstecken,

- leise und schnell sprechen sowie den Blick auf den Boden richten,

- schwierige Sachverhalte nicht genau erklären,

- Anschauungsmaterial mit viel Text überfüllen,

- dem Publikum den Rücken zuwenden,

- den Zuhörern keine Chance geben, Fragen zu stellen.

Kontakt: Christoph Rosenberger, christoph@rosenberger.co.uk