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Das Geistercasino

Von Clemens Neuhold

Wirtschaft

Der Umbau des Palais Schwarzenberg zum "Grand Casino" wird sich nach einer Klage um bis zu ein Jahr verzögern.


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Wien. "Du musst deinen Feind kennen, um ihn besiegen zu können." (Sunzi).

Hubertus Thonhauser kennt seinen "Feind", aber er würde ihn nie so nennen. Denn es handelt sich immerhin um seinen ehemaligen Arbeitgeber, für den er fast seit gesamtes Berufsleben tätig war: die Casinos Austria (Casag).

Seine Mission damals: In den 2000ern das Schweiz-Geschäft der Casag aufzubauen. Dann wechselte er zur Konkurrenz, den Schweizer Stadtcasinos Baden. Seine Mission heute: Gemeinsam mit der deutschen Gauselmann-Gruppe das Wien-Geschäft aufzubauen. Der Unterschied: Ging es in der Schweiz darum, für die Casag das Spiel zu machen, geht es nun in Wien darum, gegen die Casag das Spiel zu machen - und zwar im geplanten "Grand Casino" des Palais Schwarzenberg. Das liegt in Gehweite des bisher einzigen Wiener Casinos in der Kärntner Straße, und das betreiben die Casinos Austria.

Der erste Teil der Mission ist erfüllt. Das Grand Casino hat eine von drei neuen Casino-Lizenzen erhalten, die Casag ging leer aus. Doch so leicht will es die Casag der neuen Konkurrenz aus dem Westen nicht machen. Denn ein Casino im Prunk-Palais könnte nicht nur auf die Umsätze in der Kärntner Straße, sondern auch im Casag-Casino in Baden bei Wien drücken.

Heiße Casino-Nächteauf Eis gelegt

Also hat die Casag gegen den Bescheid des Finanzministeriums geklagt und verzögert damit den Umbau des Palais, das seit 2006 vor sich hin bröckelt, beträchtlich. Das gesteht auch Thonhauser bei einem Mediengespräch im Prunksaal des Palais ein. Während er spricht, scheint sich hinter ihm eine historische Tapete wie in Zeitlupe von der Wand zu schälen. Bevor diese und andere Tapeten durch Spiegel für die verspielte High-Society ersetzt werden, müssen sie wohl noch oft geklebt werden. Laut den Anwälten von der Kanzlei Specht Böhm könnte die Casag-Beschwerde länger als neun Monate behandelt werden. Denn sechs Monate hat das Bundesverwaltungsgericht Zeit, dann kann es weiter zum Verwaltungsgerichtshof gehen, der drei Monate oder länger Zeit hat. Die Casag kann theoretisch jeden Zeugen vorladen, also alle Mitglieder des Glücksspielbeirates im Finanzministerium, bis hin zu den Landeshauptleuten von Niederösterreich und Wien, die - so wird im Casag-Umfeld ventiliert - für ihre Lieblingsprojekte interveniert haben sollen. Das Gericht entscheidet, welche Zeugen für das Verfahren relevant sind.

Das heißt, mit der geplanten Betriebsaufnahme Juli 2015 wird es nichts. Bis dahin werden nur sechs von geplanten 100 Millionen Euro investiert. Denn als Aktiengesellschaft können die Stadtcasinos Baden nicht einfach riskieren, am Ende des Verfahrens ohne Lizenz dazustehen.

Thonhauser gibt sich aber betont gelassen. Nach Dursicht der Beschwerdeschrift gebe es "keinerlei Befürchtungen in Richtung einer Änderung der Meinung des Finanzministeriums". Thonhauser zeichnet von der Casag das Bild des schlechten Verlierers, der es als Monopolist gewohnt war, dem Gesetzgeber zu sagen, wie der Hase läuft und nun nicht damit umgehen könne. Sein Kollege formuliert es schärfer: "Nebelgranaten, viel Lärm um Nichts."

Eine Frage desBaubescheides

Die Anwälte der Casag weisen in ihrer Beschwerde darauf hin, dass dem Projekt Schwarzenberg eine Baugenehmigung für ein Casino fehle. Das sei aber bei der Lizenzvergabe nicht entsprechend berücksichtigt worden - bei den Casinos Austria aber schon. Der Anwalt von Specht Böhm zückt eine Bau-Genehmigung aus dem Jahr 2009 aus seiner Aktenmappe, die aus seiner Sicht auch für den Casino-Bau gültig sei. Ein weiterer Vorwurf der Casinos: Schwächen beim Spielerschutz im Vergleich zur Casag. "Lachhaft", sagt Thonhauser und verweist auf das strenge Glücksspielgesetz in der Schweiz. Gegen die Stadtcasinos Baden habe es in zwölf Jahren keine Anklage und kein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Glücksspielgesetz gegeben. Gegen den Partner der Schweizer, die Gauselmann-Gruppe, kam es nach jahrelangen Ermittlungen in Deutschland nicht zur Anklage. Die Ermittlungen wurden allesamt eingestellt.

Thonhauser glaubt, dass er das Match gegen die Casag am Feld des Marketings gewonnen hat. "Unser Marketingkonzept ist sehr dynamisch und progressiv." So sollen Repräsentationsbüros in Kooperation mit Tourismusorganisationen in verschiedenen Städten rund um den Globus entstehen, kündigt er an. Das sei ein "Auftrag, den ein Konzessionär in einer Weltstadt wie Wien haben sollte". Man werde ein Potenzial anziehen, "das es so noch nicht gibt". Es werde daher auch keine Gefahr für den Casinos-Austria-Standort in der nahen Kärntner Straße geben. Natürlich nicht. Sonst wäre man ja Feind.

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