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Das Gemeinsame ist zugleich das Trennende

Von Jiri Grusa

Europaarchiv

Die Idee einer strategischen Partnerschaft erfordert neben der Begeisterung für die Sache auch einen behutsamen Zugang. Denn ein solches Miteinander ist nicht einfach zu erlangen. Vor allem gilt es, das Konzept richtig zu lesen: Vorab und nur am Rande gesagt, klingt "Strategie" ja ziemlich militant. Wir kennen im Tschechischen das Wort "stret", das heißt "Konflikt" und kommt aus dem Indogermanischen. Im Deutschen hat das Wort "Streit" den selben Ursprung. Eine Antwort auf das "strategische Element" evoziert demnach vorerst ein "Dagegen Sein" - dieses jedenfalls mehr als eine Bejahung. Erst beim Nachdenken wird die produktive Dimension einer solcherart beschaffenen Partnerschaft offensichtlich: Ein "Dafür Sein".

Wir dachten nach - und sind dafür! Aus der Nachbarschaft eine Partnerschaft zu machen, könnte das "Strategische" sein, das uns verbindet. Dazu brauchen wir eine positive Retrospektive.

In unserer gemeinsamen Geschichte das "Gemeinsame" zu finden und eine Übereinkunft darüber zu treffen, ist die erste psychologische Bedingung eines langfristigen Erfolges. Das "Gemeinsame" ist, historisch gesehen ja bekanntlich zugleich das "Trennende". Eine Vergangenheit kann auch zum Opium verspäteter Schlüsse oder Schlussfolgerungen werden. Identitätsallüren und Vorwürfe sind nicht gefragt - sondern Entwürfe.

Die Tschechen sind sich bewusst, Vernetzungsknoten in einer globalen Zukunft zu sein. Das bedeutet: Partner zu haben! Eine Zukunft ohne Österreich ist keine...

Unsere beiden Länder haben Sicherheitsinteressen. Die Tschechische Republik ist längst Zielland in einem stetig breiter werdenden Kontext geworden. Das bedeutet, dass die Unterschiede zwischen uns auf jeden Fall kleiner geworden sind. Und diese abnehmende Differenz ist ohnedies in jeder Hinsicht mehr als hilfreich. Auch in Detailfragen, die etwa die Bekämpfung der internationalen Kriminalität betreffen, wird eines offenbar: Nur gemeinsam ist man stark. Und der beschrittenen Weg stimmt mich in höchstem Maße optimistisch. Kulturell gesehen sind wir ohnehin einem gemeinsamen Raum verpflichtet. Und wir wissen wohl. Dass die kulturellen Aktivitäten eine wichtige Voraussetzung sind, um jeden Raum im Sinne der Globalisierung zu erschließen. Nicht zuletzt auch, um Investitionen und gegenseitige Partnerschaften gewährleisten zu können. Das Gegensätzliche muss gegenständlich werden. Nur so kann ein punktueller Dialog geführt werden.

Worin liegen nun hieb- und stichfeste Lösungsansätze? Ganz bestimmt liegt ein Konsens stets in der Mitte. Und nur über die Mitte lassen sich Partnerschaften definieren. Diesen "Mittelweg" haben unsere beiden Länder in aller Deutlichkeit beschritten. Für uns hat Partner - und Nachbarschaft zu allen mitteleuropäischen Staaten höchste Priorität. Tatsache ist auch, dass Mitteleuropa über diverse Strukturen verfügt, die sich um Erfolge dieser Art bemühen. Ich verweise etwa auf die CEFTA, oder die Mitteleuropäische Initiative. Nichts desto trotz ist jede zielführende Idee willkommen und die Strategische Partnerschaft ein gewichtiger Gedanke.

Es ist bestimmt gut, ein solches Konzept zu haben - denn es dokumentiert die Unterstützung der Erweiterung seitens Österreich, ja es ermöglicht eine Neuthematisierung in beiden Öffentlichkeiten. Darüber hinaus ist Tschechien selbstverständlich für jeden konstruktiven Vorschlag offen und bereit, strategische Entscheidungen in dieser Richtung mitzutragen.

Der Sinn einer modernen Partnerschaft liegt im multilateralen Forum mitteleuropäischer Länder, das keinerlei hierarchische Struktur aufweist. Dieses ist uns ein großes Anliegen. Schon deshalb wird Tschechien der Einladung am 6. Juni gerne folge leisten.