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Das Geschäft mit dem Leben floriert

Von Ina Weber

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In eine Decke eingewickelt, mit einer heißen Tasse Tee in der Hand liest sich das Fernsehprogramm am Dienstagabend besonders genüsslich. Da gebe es "Soko Donau" - nicht schon wieder - "Teenager werden Mütter" - alte Folge! - "Good by Deutschland" - eh immer das Gleiche - ein Polt-Krimi - gut, aber alt! - und dann auf arte, ein Themenabend: "Gefälschte Medikamente" mit anschließender Reportage "Tod aus dem Netz". Es fällt nicht leicht, sich für Letzteres zu entscheiden, denn wer will schon an einem gemütlichen Abend mit der Realität konfrontiert werden. Und diese kam wie ein Hammerschlag. Tatsache ist, dass die Mafia rund um gefälschte Medikamente schon in Europa gelandet ist. Dass es bereits in Deutschlands Spitälern Fälle gab, in denen gefälschte und damit hoch gefährliche Medikamente an Patienten verabreicht wurden. Durch verunreinigte Blutverdünnungsmitteln schwebten vier Deutsche währende einer OP in Lebensgefahr. Dass sich zwei Mädchen aus dem Internet Abnehmpillen bestellten und eine der beiden nach der ersten Einnahme am nächsten Tag tot war. In Afrika - so wird es gemutmaßt - sind 60 Prozent der vertriebenen Medikamente gefälscht. Sie enthalten entweder überhaupt keine Wirkstoffe, sind verunreinigt oder falsch dosiert, sodass sie mitunter tödlich sind. Es trifft wie immer die Ärmsten, die Jungen und jene, die sich verzweifelt an eine letzte Hoffnung klammern. In Indien und China, die größten Medikamentenhersteller, floriert der Schwarzmarkt. Mit Millionen an Spendengeldern werden Medikamente gekauft, die nur stichprobenartig überprüft werden können. "Ärzte ohne Grenzen" sind machtlos. Gemütlich Fernsehen ist anders.