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Das Geschäft mit der Stille

Von Judith Belfkih

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Weihnachten als beschauliches Fest der Einkehr und der erfüllten Stille. Der Jahreswechsel als Zeit der rückblickenden Besinnung auf Vergangenes und verinnerlichter Ausblick auf Kommendes.

Mit der Realität haben diese Szenarien kaum noch etwas zu tun. Weihnachten ist längst zum Geschäft des Jahres geworden. "Kauf um dein Leben", konnte man jüngst auf dem Transparent einer kleinen Gruppe von Punks lesen, die versuchten, Passanten im Konsumwahn zum Innehalten zu bewegen. Die Einzigen, die stehen blieben, trugen Uniformen.

Silvester ist von der Stille noch einen Schritt weiter weg. Böller, Knaller, lautstarkes Feiern auf dem Silvesterpfad. Die oft im Sekt-Taumel gefassten Neujahrsvorsätze zielen längst nicht mehr darauf ab, höflicher, mildtätiger, umsichtiger oder geduldiger zu sein. Nicht mehr zu rauchen oder wirklich ein paar Kilo abzunehmen, haben sich durchgesetzt.

Wer da Alternativen sucht, kann Weihnachten und Silvester im Kloster verbringen, verkünden heimische Klöster in einer Aussendung. Die "mitternächtliche Anbetung vor dem Allerheiligsten" scheint nicht verpflichtend zu sein. Wenn sie sonst schon kein Monopol mehr hat, auf Stille scheint sie es sich gesichert zu haben, die Kirche. Nur in Konkurrenz mit den Bergen. Aber die sind gerade etwas unwirtlich.

Kloster auf Zeit - diese spezielle Form des Urlaubes gibt es schon länger und das ganze Jahr über. Bis zu 600 Euro kosten sechs Tage im Einzelzimmer mit Vollpension. Einen Blick fürs Geschäft hatte die Kirche immer. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Markt erschlossen war. Und es hat Potenzial, das Geschäft mit der Stille.