Zum Hauptinhalt springen

Das Geschichte vom guten Stürmer und vom guten Goalie

Von Christoph Rella

Kommentare

Von den qualifizierten Viertelfinal-Teilnehmern haben bei dieser EM vor allem Wales und Island überrascht. Die Statistik verrät, warum.


Die Achtelfinalduelle der EM 2016 sind seit Montagabend Geschichte. Rückblickend fällt zunächst auf, dass sich ausgerechnet eine der stärksten Gruppen dieser Endrunde, die Gruppe D mit Titelverteidiger Spanien, Kroatien, Tschechien und der Türkei, als "Todeszone" erwiesen hat und hier kein einziges Team den Sprung ins Viertelfinale geschafft hat. Dass auch ein starkes Land wie England bereits nach der ersten K.o.-Runde nach Hause geschickt wurde, hat ebenso viele überrascht. Dass dafür (neben dem doch mehr als glücklichen Portugal) die kleinen Fußballnationen Wales und Island weitergekommen sind, aber noch mehr.

Nun kann man über die Gründe, die zu dem Ergebnis beigetragen haben, fröhlich philosophieren. Über das Glück des Tüchtigen, den kreativen Mut des Underdogs, den Zauber der unterstützenden Fans oder auch
das Phänomen, wie man mit einem beherzten Spiel selbst qualitativ besser aufgestellte Mannschaften schlagen kann. Wobei hier aus der Gruppe der besten Acht, die ab Donnerstag um die Halbfinaltickets streiten, die genannten Nationen Wales und Island hervorstechen.

Beide Teams sind das erste Mal bei einer EM-Endrunde dabei - und dementsprechend besonnen waren daher auch ihre Erwartungen. (Ganz im Gegensatz zu Österreich, das so mancher Landsmann schon fix im Viertelfinale sah.) Freilich trifft es zu, dass die Waliser und Isländer mit Mut, Herz und auch Glück ihr Spiel machten, aber das ist auch schon das einzige, das die beiden gemeinsam haben. Denn wirft man einen Blick auf die Statistik, so werden die stark unterschiedlichen Strategien und Voraussetzungen deutlich, dank derer die Zwerge die Sensation perfekt gemacht haben.

Beginnen wir mit Wales, das sein Weiterkommen vor allem einem Mann zu verdanken hat: Superstar Gareth Bale. Er führt (gemeinsam mit Spaniens Álvaro Morata und Frankreichs Antoine Griezmann) nicht nur die EM-Torschützenliste an (3), sondern ist auch der Mann mit den meisten Torschüssen (13). Bale gilt damit als noch gefährlicher als sein Real-Teamkollege Cristiano Ronaldo (8). Nicht unwesentlich für den Erfolg des Walisers ist auch die Unterstützung, die er von seinem Teamkollegen Aaron Ramsey erhielt, auf dessen Konto immerhin zwei Assists gehen.

Während also Wales dank eines überragenden Stürmers wie Bale im Viertelfinale steht, war im Fall von Island die Leistung des Kollektivs ausschlaggebend. Wobei hier doch zwei Kicker aus dem Rahmen fallen: Zum einen Kolbeinn Sigthorsson, der als einziger Inselkicker zweimal getroffen hat und auch die meisten Zweikämpfe (nach dem Slowaken Juraj Kucka) gewonnen hat. Und zum anderen Islands Goalie Hannes Halldórsson, der wiederum mit 21 parierten Torschüssen die Statistik der "Saves" anführt. Zum Vergleich: Ungarn Kult-Keeper Gábor Király liegt mit 17 gehaltenen Bällen an zweiter Stelle.

Wenn uns diese Euro also bisher etwas gelehrt hat, so dies: Dass oft einzelne Stärken schon genügen können, um ein Turnier dieser Größe aufzumischen. So gesehen hätte gewiss auch Österreich das Zeug gehabt, mehr zu erreichen. Aber in diesem Fall haben halt doch das Herz, der Mut und das Glück gefehlt.