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Das Gesetz bin ich

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Eines muss man Bernie Ecclestone lassen: Der Mann leidet nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein. Dass er trotz eines drohenden Prozesses wegen des Verdachts auf Bestechung und Anstiftung zur Untreue nicht an einen Rücktritt als Formel-1-Chefvermarkter denkt, hat er schon vergangene Woche kundgetan. Allenfalls könne ihn die Besitzergesellschaft CVC absetzen, sagte er - was diese aber offenbar nicht im Sinn hat. Nach einem Treffen in Genf verkündete er nun zur "Sunday Times": "Der Vorstand ist übereingekommen, dass ich bleiben sollte, selbst wenn ich verurteilt werde. Jeder hat dafür gestimmt, mich dabei zu unterstützen, zu bleiben und das Geschäft fortzuführen." Na bitte, alles bestens in Bernies Reich. Er hat es aufgebaut, über Jahrzehnte autokratisch regiert und dabei so manchen Putsch überstanden. Das Gesetz in diesem Reich ist Bernie. Warum sollte sich daran also aus seiner Sicht etwas ändern? Blöd halt nur, dass es auch in der Welt draußen Gesetze gibt, die mitunter nicht mit seinen konform gehen. Schmiergeldzahlungen etwa wären so ein Fall. Die Besitzergesellschaft, die einst von Ecclestones Interventionen profitiert hatte, hätte bei einer etwaigen Verurteilung gar keine andere Wahl, als ihn vor die Türe zu setzen, will sie sich nicht der Lächerlichkeit und ernsteren Vorwürfen preisgeben. Um die Formel 1 bräuchte man auch ohne Ecclestone keine Angst haben. Sorgen macht nur, dass er sich offenbar selbst keine macht. Es klingt verdächtig nach einem Ass im Ärmel.