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Das Gold ist eh noch da

Von Karl Leban

Wirtschaft

Der Rechnungshof hat Österreichs Hauptreserven bei der Bank of England nachgezählt: | Kein Gramm fehlt. Indes pocht die FPÖ weiterhin darauf, österreichisches Gold heimzuholen.


Wien. Rund 224 Tonnen Gold bunkert die Nationalbank (OeNB) für die Republik bei der Bank of England in London. Mit 80 Prozent ist das ein erklecklicher Teil von Österreichs gesamten Goldreserven. Zuletzt gab es immer wieder von der FPÖ lancierte Gerüchte, dass der in Großbritannien gehortete Bestand im angegebenen Umfang gar nicht existiere. Im Zuge einer Prüfung der OeNB reisten Mitarbeiter des Rechnungshofs deshalb letzte Woche extra nach London, um nach dem Rechten zu sehen. Sie wogen das Gold und prüften es in ihrer Konsistenz. Ihr Fazit: Alles da, alles in Ordnung.

Für die Prüfaktion selbst zeigte Notenbank-Chef Ewald Nowotny Verständnis: "Jeder Greißler muss einmal im Jahr Inventar machen. Nur so können unsinnige Gerüchte aus der Welt geschafft werden." Dass Österreich den Großteil seines Goldes in London lagert, habe damit zu tun, dass London der größte Goldhandelsplatz der Welt sei, erklärte Nowotny am Dienstag in der Bilanzpressekonferenz der OeNB. Die Verwahrung auf internationalen Goldhandelsplätzen habe den "Vorteil, dass man größere Mengen bei Bedarfsfall rasch in gängige Reservewährungen eintauschen kann".

FPÖ fordert Raidls Kopf

Aktuell bringen Österreichs Goldreserven insgesamt 280 Tonnen auf die Waage. Laut Notenbank ist dieser Bestand seit 2007 unverändert (davor hatte es Verkäufe gegeben). Zum derzeitigen Goldpreis sind die heimischen Reserven 8,5 Milliarden Euro wert, auf jeden Österreicher entfallen somit rund 1000 Euro.

Dass die Republik den Löwenanteil ihres Goldschatzes ins Ausland verfrachtet hat, stört vor allem die FPÖ. Sie fordert seit langem und immer wieder, österreichisches Gold heimzuholen. Neben der Hauptsammelstelle Großbritannien (80 Prozent) sind laut OeNB noch drei Prozent der Goldreserven in der Schweiz gelagert, die restlichen 17 Prozent im Inland bei der Nationalbank-Tochter Münze Österreich.

Eine Rückführung des im Ausland gehorteten Goldes nach Wien ist für die OeNB aber kein Thema. Wenn, dann ginge es dabei höchstens um kleine Mengen. Nationalbank-Präsident Claus Raidl betonte jedenfalls, die jetzige Aufteilung der Goldreserven sei sinnvoll. Der ehemalige Böhler-Uddeholm-Chef glaubt nicht, dass sich der Rechnungshof in seinem Bericht daran stoßen werde.

Die Freiheitlichen forderten am Dienstag Raidls Rückritt. Dieser hatte nach der OeNB-Generalversammlung von "einfachen Gemütern" gesprochen, die die Frage hochgezogen hätten, wo das Gold liege. Diese Aussage zeuge von "unfassbarer Abgehobenheit", mit der die Anliegen vieler Menschen im Land abgetan würden, empörte sich die FPÖ in einer Aussendung. Sie verlangt die Vorlage des Prüfberichts im Parlament.

Ein Drittel weniger Gewinn

2013 hat die Oesterreichische Nationalbank deutlich weniger verdient als im Jahr davor. Unterm Strich schrumpfte ihr Gewinn um ein Drittel auf 662 Millionen Euro. Grund dafür war laut Nowotny vor allem das Nettozinsergebnis, das infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank um fast ein Fünftel gesunken sei.

Für den Bund bedeutet der Gewinnrückgang, dass nun deutlich weniger Geld in den Staatssäckel fließt als ein Jahr zuvor. Addiert man den 90-prozentigen Gewinnanteil und die Körperschaftsteuer, sind es insgesamt 256 Millionen Euro und damit um 93 Millionen weniger.

Zu den jüngsten Ablösespekulationen in Medien sagte Nowotny am Dienstag, dass er seinen bis 2019 laufenden Vertrag ausfüllen wolle. "Selbstverständlich", wie er auf Nachfrage betonte.