Zum Hauptinhalt springen

Das große Energieproblem

Von Monika Köppl-Turyna

Gastkommentare
Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin und Direktorin des Forschungsinstituts Eco Austria.

Der Ausweg aus der Energiekrise: Strom sparen.


Volatile Strom- und Gaspreise bereiten einigen europäischen Unternehmen Schwierigkeiten. Sie führen dazu, dass an den Börsen mehr Sicherheiten hinterlegt werden müssen, und diese schnell in Milliardenhöhen schießen können. An sich sind solche Termingeschäfte eine übliche Form der Absicherung der künftigen Versorgung und jedenfalls keine "Spekulationsgeschäfte"; dennoch wird mangelnde Liqidität gerade zum großen Thema.

Schockierend bleibt, dass die Stadt Wien in dieser Situation ohne die öffentliche Kontrolle und ohne das Wissen des Koalitionspartners Milliardensicherungen zugesagt hat. Aber auch das ist noch nicht unser größtes Problem.

Wegen der hohen Gaspreise, der ausgefallenen Atomkraftwerke in Frankreich und der Dürre in Österreich werden an den Strombörsen gerade horrende Summen für Strom verlangt. Das trifft nicht nur die Stromversorger, sondern auch Konsumenten, Industrie und Kleingewerbe. Endkunden und Gewerbetreibende müssen mit sukzessiven Preiserhöhungen rechnen. Auch die großen Industrieunternehmen, die Absicherungen, sogenannte Hedges, beschlossen haben, müssen diese bald erneuern - zu dann deutlich höheren Kosten. Für viele wird das existenzgefährdend sein.

Es ist deshalb wichtig, für ausreichend Liquidität zu sorgen, um künftige Ausfälle der Versorger zu vermeiden und zu verhindern, dass aus Liquiditätsproblemen reale Verluste werden. Dabei dürfen aber nicht alle Stromunternehmen über einen Kamm geschoren werden: Ihre jeweilige finanzielle Situation ist abhängig von ihren Produktionsquellen und ihrem Anteil an eigenproduzierter Energie. Gerade war die Rede von "Übergewinnen" - und in der Tat sind die, die viel aus erneuerbaren Energiequellen produzieren, nun in einer günstigen Situation. Keinesfalls sollten Unternehmen unterstützt werden, die gar keine Probleme haben. Und keinesfalls sollten "Übergewinne" eines Unternehmens zur Rettung anderer Unternehmen genutzt werden - das wäre aus Sicht des Wettbewerbs fatal und würde wichtige Anreize zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energiequellen wieder zunichtemachen.

Auch die Industrie braucht nun rasche Hilfen, um die weitere Erhöhung ihrer Produktionskosten abzufedern. Hier muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass trotzdem wirksame Anreize zur Risikomitigierung bei der Strom- und Gasbeschaffung gesetzt werden. Unternehmen, die sich schlechter abgesichert haben, dürfen nicht bevorzugt behandelt werden - die öffentliche Hilfe darf nicht dazu führen, dass leichtfertig Risiken eingegangen und dann einfach vergesellschaftet werden.

Und wie immer käme es auf eine möglichst hohe Treffsicherheit der öffentlichen Hilfen an - die fiskalischen Kapazitäten Österreichs sind ohnehin schon an ihren Grenzen. In Zeiten hoher Inflation und künftig steigender Zinsen, die eine öffentliche Finanzierung erschweren, ist ein möglichst effizienter Umgang mit Steuergeldern erst Recht angezeigt.

Der Ausweg aus der Energiekrise: Strom sparen. Durch die fixen Tarife haben Endkunden dazu oft keinen Grund, denn es ist für sie egal, um wieviel Uhr sie ihre Waschmaschine einschalten. Smarte Zähler und eine Push-Notification aufs Handy vom Versorger, wann der Strom günstiger ist, würden dabei schon helfen.

So eine Wirtschaft: Die Wirtschaftskolumne der "Wiener Zeitung". Vier Expertinnen und Experten schreiben jeden Freitag über das Abenteuer Wirtschaft.