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Das große Geheimnis

Von Reinhard Göweil

Leitartikel
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Von der mysteriösen Seite betrachtet ist ein Geheimnis ein rational nicht erklärbares Ereignis oder ein Vorgang, der Nichteingeweihten unerklärlich bleibt. Das beschreibt die Debatte zum Bankgeheimnis recht gut. Denn vieles ist rational nicht erklärbar, und nur Eingeweihte kapieren, was da wirklich abgeht.

Mysteriös mutet die medial verbreitete Uneinigkeit der Regierungskoalition an, die es in der Form nicht gibt. Die SPÖ nähert sich dem Thema so: Wir verhandeln mit der EU über Meldepflichten von Kontoständen, aber innerhalb Österreichs bleiben die Konten geheim. Die ÖVP sagt: In Österreich bleiben die Konten geheim, aber mit der EU verhandeln wir wegen der Meldepflichten an Finanzbehörden anderer Länder.

Der einzige Unterschied besteht aus der Finanzministerin, die Parteiobmann und Regierungslinie ignoriert - ein erstaunlicher Vorgang.

Spätestens jetzt ist es Zeit, die Welt der Mysterien zu verlassen und sich der profanen zuzuwenden. Fakt ist, dass in Österreich ein zweistelliger Milliardenbetrag an ausländischem Vermögen liegt, das vom Bankgeheimnis angelockt wurde. Ob es vor der eigenen Frau oder dem Finanzamt verschleiert werden soll, ist irrelevant - dieses Geld fühlt sich nur im Verborgenen sicher. Die Banken wollen aber weiter damit arbeiten.

Nur leider, die Verhältnisse, die sind nicht mehr so. Die USA werden - wie der Schweiz und in Kürze Luxemburg - auch Österreich ein Datenaustausch-Abkommen aufs Auge drücken. Kein Abkommen, kein US-Geschäft. Die USA haben den Dollar im Rücken, jeder wird klein beigeben.

Mit der gerne zitierten Oma und ihrem Sparbuch fürs Enkerl hat das alles nichts zu tun. Sie zahlt die KESt - vollautomatisch. Es hat vielmehr zu tun - wieder einmal - mit der trotteligen europäischen Art, nationale Eigenheiten in den Rang der Zehn Gebote zu heben. Wenn sich die EU auf eine Harmonisierung der Besteuerung und auf Mindest-Transparenz-Vorschriften einigte, wäre das alles kein Problem mehr.

Und die EU könnte - mit den Euro-Milliarden im Rücken - auch gegenüber den USA und deren Datenhunger forscher auftreten. Aber leider, so ist es halt nicht. Die Briten sind, wie sie sind, Maria Fekter ist, wie sie ist. Das lichtscheue Geld wird sich daher weiterhin ein verborgenes Plätzchen suchen. Und es auch in Europa finden, solange Politiker nicht über den nationalen Tellerrand hinausblicken.