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Das große Geldeinsammeln

Von Karl Leban

Wirtschaft

Versicherer Uniqa zapft die Börse an und will sich 750 Millionen Euro holen.


Wien. Erst vor wenigen Tagen hat das steirische Hightech-Unternehmen AT&S eine Kapitalerhöhung über die Börse gestartet. Es geht um rund 100 Millionen Euro. Nun folgt an der Wiener Börse gleich die nächste Emission. Ab morgen, Dienstag, verkauft auch der Versicherungskonzern Uniqa im Zuge einer schon seit längerem geplanten Kapitalerhöhung neue Aktien. Angepeilt ist ein Brutto-Erlös von rund 750 Millionen Euro, wie das Wiener Unternehmen am Montag mitteilte.

Für die Uniqa hängt von dem großen zweiten Börsengang, von dem im Konzern die Rede ist, viel ab. Zum einen soll die Emission nicht nur das Eigenkapital stärken und die Kriegskasse auffüllen, damit die Gruppe wie geplant vor allem in Osteuropa weiter wachsen kann. Zum anderen soll der Anteil der Uniqa-Streubesitzaktionäre, der aktuell mit knapp sieben Prozent verschwindend gering ist, deutlich nach oben gehebelt werden. Das soll den Handel mit Uniqa-Aktien beleben, den Titel damit auch bei ausländischen Investoren ins Rampenlicht rücken und so den seit Jahren dahindümpelnden Börsenkurs "wachküssen".

Kontrolle des Konzerns bleibt bei Raiffeisen & Co.

Bringt die Uniqa bei ihrer Kapitalerhöhung das gesamte Angebotsvolumen von mehr als 101 Millionen neuen Aktien an, würde der Streubesitz auf bis zu 36,7 Prozent klettern. Die drei Kernaktionäre Raiffeisen, Austria Privatstiftung und Collegialität, die über eine Syndikatsvereinbarung derzeit 92,7 Prozent an der Uniqa halten, haben sich jedenfalls verpflichtet, ihre Anteile "verwässern" zu lassen. Sie ziehen bei der Kapitalerhöhung nicht mit, werden künftig aber weiter die Kontrolle über das Unternehmen haben. Im schlechtesten Fall rutschen sie auf einen Mehrheitsanteil von 63,0 Prozent ab (siehe untenstehende Grafik).

Dass ihre Stimmrechte syndiziert sind, ist übrigens historisch bedingt. Denn die Uniqa (vorher BARC) ist ein Produkt aus dem in den 1990er Jahren erfolgten Zusammenschluss von Bundesländer und Raiffeisen Versicherung, Austria Collegialität und Salzburger Landesversicherung. Seitdem sitzen deren Eigentümer gemeinsam im Boot.

Der größte der Uniqa-Kernaktionäre ist die Raiffeisen Zentralbank (RZB), die derzeit noch 45,3 Prozent der Anteile hält. Für sie ist die Uniqa die zweitwichtigste Beteiligung - nach der Raiffeisen Bank International. Dass die RZB bei der Kapitalerhöhung auf ihre Bezugsrechte komplett verzichtet und keine neuen Aktien zeichnet, kommt nicht überraschend. Immerhin 340 Millionen Euro hätte man flüssigmachen müssen. Geld, das die Raiffeisenbanker, die gerade darüber tüfteln, wie sie sich gegen eine mittelfristig drohende Kapitalnot stemmen, jedenfalls im Moment nicht haben - zumindest nicht für die Uniqa.

Für Kleinanleger gibt es eine garantierte Zuteilung

Bis 8. Oktober, zwei Wochen lang, können Anleger die neuen Aktien der Versicherungsholding ordern. Angeboten werden sie in einem Preisband von je 7,50 bis 8,50 Euro, um bis zu 18 Prozent unter dem derzeitigen Börsenkurs von gut neun Euro. Den Kleinanlegern verspricht die Uniqa eine garantierte Zuteilung von bis zu 1250 Aktien pro Person. Zudem gibt es für Uniqa-Mitarbeiter bei einem Investment von bis zu 1460 Euro 20 Prozent Rabatt. Handelspremiere für die neuen Aktien ist am 11. Oktober.

"Für den Börsenplatz ist es erfreulich, dass die Uniqa, die lange Zeit ein Schattendasein gefristet hat, jetzt durchstartet", meint der Wiener Anlegerschützer Wilhelm Rasinger. "Bei der Uniqa hat sich zuletzt vieles verbessert, vor allem gibt es unter dem neuen Vorstandschef Andreas Brandstetter nun mehr betriebswirtschaftliche Disziplin. Die Ära Klien und Konrad ist vorbei." Der Uniqa-Aktie traut der Chef des Interessenverbandes für Anleger künftig einiges zu: "Die Risiken nach unten sind jedenfalls viel kleiner als die Chancen nach oben." Für Rasinger ist der Titel ein Kandidat für den Wiener Leitindex ATX.