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Das größte Manko der Immofinanz-Gruppe: Sie ist keine Bank - oder keine Bank mehr

Von Hermann Sileitsch

Analysen

Wo Probleme sind, dort ist im Moment der Ruf nach dem Staat nicht fern. Besonders realistisch ist es allerdings nicht, wenn der Neo-Vorstand Thomas Kleibl eine Staatshilfe für die Immofinanz-Immoeast-Gruppe als "ein Mittelfrist-Thema" bezeichnet. Sein Dilemma: Die Immo-Gruppe ist keine Bank, deshalb kann sie sich nicht unter den staatlichen Schutzschirm flüchten. | Oder: Sie ist keine Bank mehr, wie man etwas zynisch kommentieren könnte: Denn auch ohne Banken-konzession hat die Unternehmensgruppe unter ihrem ehemals gefeierten Vorstand Karl Petrikovics intern wie ein Finanzinstitut agiert: Da ein 1,8-Milliarden-Euro-Kredit, den die Ost-Tochter Immo east an ihre Mutter Immofinanz vergibt. Dort jene ominöse 900-Millionen-Euro-Anleihe, die nun ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, weil weder die Gesellschaft, die den Bond begeben noch jene, die ihn gezeichnet haben soll, die Zahlungsströme nachvollziehen kann. Weshalb rund 520 Millionen Euro verschwunden bleiben. Ein kurioses Karussell, dessen Transaktionen selbst dem als Sanierer geholten Kleibl bis dato Rätsel aufgeben.


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Ungeklärt ist dabei weiterhin die Rolle der Constantia Privatbank. Wie schon im Falle Meinl Bank und Meinl European Land offenbart sich ein äußerst ungesundes personelles wie institutionelles Geflecht aus Banken, Managementverträgen und Börsegesellschaften.

Die schon früher kritisierte Doppelrolle von Karl Petrikovics als Chef der Constantia-Privatbank und gleichzeitig Mastermind der Immo-Gesellschaften war der Transparenz offenkundig nicht gerade zuträglich: Alle Entscheidungen seien in einem abgeschotteten "inneren Zirkel" gefallen - und die Controllingstrukturen hätten mit dem viel zu raschen Wachstum der Immo-Gesellschaften nicht Schritt gehalten, ist aus Firmenkreisen zu hören.

Für die gegenwärtige Lage spielt all das keine Rolle. Thomas Kleibl muss primär die kurz- und mittelfristige Liquidität sicherstellen. Was bedeutet, dass er sich mit den Banken arrangieren muss. Denn die Immoeast gerät nun auch durch ihre große Projektpipeline unter Druck. Wo mit dem Bau schon begonnen wurde, müssen die Projekte ausfinanziert werden: Bauruinen bringen keinen Ertrag.

Dabei sind die langfristigen Aussichten für die Immofinanz-Gruppe gar nicht so schlecht. "Kurzfristig entsteht durch die derzeitige Marktsituation Druck auf die Preise, aber mittelfristig werden in Osteuropa neue Flächen benötigt werden", lautet die Einschätzung von UniCredit-Analyst Alexander Hodosi.

Für die Aktionäre, die einen Großteil ihres Investments verloren haben, ist das ein schwacher Trost. Ebenso wie die Einschätzung, dass der Börsenkurs "absolut irrational" sei, wie Hodosi meint. Selbst, wenn die Immofinanz liquidiert werden müsste, wäre aus Sicht der Analysten aufgrund der Vermögenswerte ein Aktienkurs von 2,4 Euro gerechtfertigt. Was immerhin für die Zukunft noch hoffen lässt. Die Gegenwart ist indes düster - die Aktie schloss am Freitag bei weniger als einem Drittel.